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Review: The Innsmouth Case im Test

The Innsmouth Case Review von Unaltered Magazine

H.P. Lovecraft und sein Cthulhu-Mythos haben in den letzten Jahren eine gewaltige Renaissance erlebt, ganz besonders in der Spielewelt. Während die meisten Games dabei auf Action und Survival setzen, gehen die Indie-Entwickler von RobotPumpkin Games mit ihrem Debüt-Titel The Innsmouth Case einen etwas anderen Weg.

Im Namen Dagons

Wer sich ein klein wenig in der literarischen Welt von H.P. Lovecraft auskennt, dem ist vermutlich auch schon die Kurzgeschichte Schatten über Innsmouth (The Shadow Over Innsmouth) untergekommen. In der Story geht es um die gleichnamige Hafenstadt Innsmouth an der Küste von Massachusetts, in der die Dinge nicht so ganz mit rechten Dingen zugehen: Die Bewohner der Stadt beten zu einer gruseligen Meeresgottheit namens Dagon, und tatsächlich ähneln viele hier selbst den Kreaturen der Unterwasserwelt – mit glubschigen Augen und verzerrten Gesichtern.

The Innsmouth Case basiert auf eben jener Kurzgeschichte und versetzt euch in die Schuhe eines eher minder erfolgreichen Detektivs bzw. einer Detektivin, der/die in bester Film-Noir-Manier von einer mysteriösen Frau aus Innsmouth beauftragt wird, ihre verschwundene Tochter zu finden. Von Minute eins an stinkt die Sache zwar gewaltig, aber was soll man schon tun, wenn sich die Rechnungen stapeln und der große Finderlohn lockt … Also auf ins wörtlich kultige Innsmouth.

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Ein Auftrag, viele Wege

Wie eingangs schon erwähnt, geht The Innsmouth Case einen Weg abseits des bekannten Cthulhu-Survival-Adventures; stattdessen erlebt ihr hier ein Abenteuer in Textform, bei dem ihr mittels simpler Dialog- und Aktions-Auswahl bestimmt, wohin euch eure Reise führt. So seht ihr also beim Spielen auf ein animiertes Buch, das euch stets eure Situation beschreibt und diese mit ebenfalls animierten Illustrationen visuell untermalt. Passende Melodien sollen indessen für die richtige Atmosphäre sorgen. Während die Burton-esquen Illustrationen dabei auch durchwegs hübsch ausfallen, schwankt die Sounduntermalung zwischen gut und erträglich, wobei Letzteres vor allem den ab und an zu kurzen Loops innerhalb der einzelnen Stücke und der oftmaligen Wiederholung dieser zu schulden ist.

Die schräge Story selbst führt euch je nach Auswahlmöglichkeiten an die unterschiedlichsten Orte der Stadt, an denen ihr dem Mysterium von Innsmouth entweder näher oder aber sogar zu nahe kommt, was üblicherweise in eurem qualvollen Tod endet. Im Spiel gibt es insgesamt 27 mögliche Ausgänge, die von unbescholten positiv bis Ritualopfer reichen – ihr habt also auf jeden Fall eine ganze Menge zu tun, bis ihr sämtliche Storypfade und -ausgänge im Spiel erlebt habt. Der Twist an der Sache: The Innsmouth Case nimmt sich nicht allzu ernst und wirkt so im Grunde eher wie Satire als eine waschechte Horror-Story.

Positiv ist auch, dass sich die Szenen nicht allzu häufig wiederholen, sofern ihr konträre Entscheidungen trefft. So ist es möglich, mehrere Durchgänge des Spiels zu erlebeben, in denen sich außer dem Anfang der Story nichts überschneidet – und alle von mir erlebten Pfade waren überdies gut geschrieben (sowohl auf Deutsch wie auch auf Englisch) und mit einer ordentlichen Portion Humor und Selbstironie versehen. Das einzige kleine Manko daran ist, dass es durch die verzweigte Struktur an einigen wenigen Stellen passiert, dass Dinge nicht hundertprozentig zusammenpassen – doch auch hier haben die Entwickler eine Art Failsafe angewandt: Ab eurem zweiten Durchgang könnt ihr bereits im ersten Kapitel eine Antwort auswählen, die darauf anspielt, dass sich euer Charakter in verrückter Zeitreise-Manier an vorige Spieldurchgänge erinnern kann; die Konsistenz-Probleme könnten also auch durchaus daher stammen.

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Abklappern mit Zähneklappern

Habt ihr die Geschichte das erste Mal beendet – positiv oder auch nicht –, dürft ihr in Folge entweder komplett von vorne beginnen oder aber jedes beliebige Kapitel neu laden, um von dort aus weiterzumachen. Wenn ihr somit einfach sehen wollt, wohin euch eine andere Entscheidung gebracht hätte, dann müsst ihr nicht erst durch sämtliche vorigen Szenen spielen, sondern könnt im richtigen Kapitel loslegen. Das System funktioniert soweit gut, wenngleich ich mir zwei zusätzliche Dinge gewünscht hätte: Zum einen, eine Funktion, einfach die letzte Entscheidung rückgängig zu machen, und zum anderen einen im Menü aufrufbaren Entscheidungsbaum, der uns einen Überblick darüber liefert, welche gewählten Reaktionen im Endeffekt wohin geführt haben bzw. wie alles zusammenhängt. Hier könnte man auch sehen, wohin man grob steuern muss, um noch fehlende Enden zu erreichen. Dem Spielspaß tut die Abwesenheit dieser Dinge jedoch kaum etwas ab.

Make your own Cthulhu-Adventure

Die schaurig-schrägen Welten von H.P. Lovecraft sind immer einen Ausflug wert, vor allem dann, wenn sie sich nicht allzu todernst nehmen. The Innsmouth Case bietet euch eine spaßige, voll interaktive Geschichte, die dank reichlich Story-Pfaden und multiplen Enden auch mit massig Wiederspielwert auftrumpft. Wer des Lesens nicht scheu ist und den Cthulhu-Mythos gerne mal humor- statt grauenvoll erleben möchte, der ist hier goldrichtig.

8
Grafik:
9
Sound:
7
Steuerung:
8
Story:
8
The Innsmouth Case

The Innsmouth Case

System: PC (Steam)
Genre: Adventure, Horror
Entwickler/Publisher:  RobotPumpkin Games/Assemble Entertainment
Erscheinungsdatum: 23. 06. 2020

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