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Review: Final Fantasy XV: The Dawn of the Future

Final Fantasy XV Dawn of the Future Buch-Review - Rezension von Unaltered Magazine

Mittlerweile ist es über ein Jahr her, seit mit Episode Ardyn der letzte DLC zu Final Fantasy XV erschien. Wie Fans wissen, hätte es sich dabei aber eigentlich nicht um den Abschluss des Spiels, sondern um den Auftakt der zweiten DLC-Season handeln sollen, die leider wenige Monate zuvor nach Ausscheiden von Game Director Hajime Tabata gecancelt wurde. Um die schlechten Neuigkeiten zumindest ein wenig wiedergutzumachen, hat sich Square Enix jedoch dazu entschieden, die letzten drei geplanten Story-DLCs stattdessen in Buchform zu veröffentlichen. Letztes Jahr in Japan erschienen, dürfen wir diese nun endlich auch auf Englisch lesen, im Roman The Dawn of the Future.

Possibilities

Bereits seit Release des Hauptspiels, eigentlich sogar bereits seit Release des Omen-Trailers, aber spätestens seit Episode Ignis ist im Final Fantasy XV-Universum eines glasklar: Alternative Zeitlinien existieren und können für drastische Änderungen dahingehend sorgen, was mit den einzelnen Charakteren im Spiel so passiert. Mit Episode Ardyn wurde zudem noch etwas Weiteres eindeutig: Der eigentliche Antagonist des multimedialen Projekts mag nicht unbedingt derjenige sein, der uns über die größten Teile des Spiels und seiner DLCs hinweg als solcher präsentiert wird.

Der FFXV-Roman Dawn of the Future greift nun beide dieser Konzepte auf und erzählt, ähnlich wie das Ende von Episode Ignis, eine weitere „Was wäre wenn“-Geschichte, die dabei nicht nur beliebten Charakteren aus den bereits bekannten Teilen weit mehr „Screentime“ (oder eher „Pagetime“) einräumt, sondern auch das bittersüße Ende des Hauptspiels zugunsten eines anderen Ausgangs revidiert.

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Final Fantasy XV: The Dawn of the Future beginnt somit mit einer Quasi-Nacherzählung von Episode Ardyn, inklusive tieferer Einblicke in die Psyche des dunkelgrauen Charakters. Wir erfahren, was in seinem Kopf vorgeht, als Verstael ihm offenbart, wofür er ihn von Angelgard befreit hat, wir merken, wie resigniert er anfangs ist und wie betrogen er sich später fühlt, und wir bekommen weitere kleine Einblicke in sein Leben vor 2.000 Jahren – seine Beziehung mit seinem Bruder und seine Liebe zum damaligen Orakel Aera Mirus Fleuret.

Wer sich an den Schluss der Episode erinnern kann, der weiß vermutlich auch noch, dass sich Ardyn, genau wie Ignis, im letzten Moment für einen von zwei Wegen entscheiden konnte. In der finalen Episode machte die Entscheidung selbst dabei kaum einen Unterschied: Das folgende Gespräch verlief schlicht anders, dann wurden wir zur selben finalen Cutscene gebracht, in der auch der alternative Weg resultierte.

Während es im Spiel ob der Streichung der weiteren Episoden natürlich keinen Sinn gemacht hätte, hier mit einem Cliffhanger zu enden, sieht die Sache im Buch anders aus: Dieses geht von einem der beiden Enden aus – jenem, das eben nicht zum Ende des Videospiels führt – und erzählt uns mit einer kleinen Extraszene am Ende dieses Abschnitts sowie deutlich anderen Ereignissen in den folgenden drei Kapiteln/Episoden, welch gravierenden Unterschied diese eine Entscheidung Ardyns auf das Leben und die Zukunft aller weiteren Charaktere und sogar von ganz Eos hatte.

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Butterfly-Effekt

Die weiteren drei Abschnitte von Dawn of the Future entsprechen den drei geplanten, dann aber gestrichenen DLC-Episoden, im Genauen Episode Aranea, Episode Lunafreya und Episode Noctis. Aranea muss sich so den Dämonenhorden in Gralea stellen, bevor sie endgültig einsieht, dass ihre Tage im Dienste des Imperiums gezählt sind. Lunafreya findet sich zehn Jahre nach ihrem Tod überraschend zurück im Leben – mitsamt einer neuen göttlichen Bestimmung, die sie letztendlich in Zweifel an ihrem gesamten bisherigen Wirken wirft. Und Noctis erkennt, dass alles, wofür er und seine Freunde gekämpft haben, womöglich trotz Erfüllung seines Schicksals auf dem Spiel steht – und es mitunter notwendig wird, mit alten Feinden Frieden zu schließen, um eine weit größere Bedrohung abzuwenden.

Eines der besten Dinge an Dawn of the Future ist, dass die Episoden dabei nicht losgelöst voneinander stehen, sondern allesamt direkt aufeinander aufbauen. So treffen wir beispielsweise in Episode Aranea mit der jungen Sol einen neuen Charakter, der ausschlaggebend für die Ereignisse in Episode Lunafreya ist. Ebenso führen die Erkenntnisse Lunas in ihrem Abschnitt letztendlich dazu, dass Noctis und Co. im letzten Kapitel des Buches überhaupt eine Chance haben, Eos erneut (oder auch hier?) zu retten.

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DLCs zum Lesen

Was während aller Abschnitte im Buch deutlich klar wird, ist, dass die Storys, inklusive aller Begegnungen, Fähigkeiten und Konfrontationen, die den Charakteren bevorstehen, eindeutig als Videospiele geplant waren. Man kann sehr leicht herauslesen, wo beispielsweise die Intro-Cutscene endet, welche Abschnitte simples Gameplay, welche Zwischenbosse und welche Endbosse waren. Das mag auf den ersten Blick abschreckend klingen, ist es überraschenderweise aber nicht. Auch wenn die Struktur nicht unbedingt jener eines typischen Romans gleicht, liest sich das gesamte Werk sehr rund und funktioniert auch als eigenständiges Buch sehr gut. Im Gegenzug bekommen all jene Fans, die sich nicht nur auf die Story und Umgebungen der gestrichenen DLCs, sondern auch auf deren Gameplay gefreut haben, zumindest einen recht genauen Eindruck davon, was hier alles auf uns zugekommen wäre. Dank eines ausführlichen Anhangs mit jeder Menge kommentierten Konzeptzeichnungen am Ende übrigens auch visuell.

Ein weiterer Punkt, der eindeutig für Dawn of the Future spricht, ist jener, dass in den vier Abschnitten des Buchs nun letztendlich auch die allerletzten Fragen, die man zum Spiel hatte, geklärt werden. Was genau passierte mit Noctis während seiner zehn Jahre im Kristall? Was genau geschah mit Luna nach ihrem Tod in Altissia? Wie stehen die Astrals zu den Ereignissen in Eos und wieso scheint Bahamut so viel mehr Macht zu haben als die restlichen fünf? Der Roman rundet die Story nun also schlussendlich vollkommen ab und lässt keine Kritik an ungenauen Plotpunkten mehr stehen. Und noch besser: Vieles, das zuvor mitunter etwas fahl wirkte, macht nach dem Lesen des Buches eindeutig Sinn. Nachträgliches Nachbessern darf man natürlich vorwerfen, wer jedoch eine einheitliche Story bevorzugt, in der – zumindest schlussendlich – alles ineinanderpasst, der bekommt genau das geboten.

Zum Ende selbst möchte ich nicht zu viel verraten – immerhin soll dieses Review so spoilerfrei wie möglich bleiben –, deshalb nur so viel: Auch jene, die mit dem nicht wirklichen Happy End von Final Fantasy XV zu kämpfen hatten, dürfen sich freuen. Oder zumindest gewiss sein, dass das Videospiel-Ende nur eine von vielen Möglichkeiten ist.

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Was wäre wenn ...

Genau diese Frage steht im Mittelpunkt der Erzählungen von Dawn of the Future. Das Buch liefert uns einen spannenden Blick auf eine weitere Timeline im Final Fantasy XV-Universum, in der eine einzige Entscheidung eines Charakters dafür sorgt, dass nichts mehr ist, wie wir es aus dem originalen Ende des Spiels kennen – und setzt nach großem Fan-Wunsch auch ein (potenzielles) Happy End auf das Spiel. Neue Einblicke in bekannte Charaktere und die Beantwortung selbst der letzten, nach allen Updates und DLCs noch offenen Fragen machen das Buch ebenso absolut lesenwert – vom hübschen Stil trotz Quasi-Portierung der Story samt Aufbau aus den gestrichenen Episoden ganz zu schweigen. Final Fantasy XV mag eines der kontroversesten Final Fantasys ever sein, spätestens nach der Royal Edition samt diesem Buch sind nun aber tatsächlich alle unklaren Stellen im Plot gefüllt und alle Intentionen klar. Für Fans des Spiels somit ein unbedingtes Must-Read.

9
Buchbewertung:
9
Final Fantasy XV: The Dawn of the Future

Final Fantasy XV: The Dawn of the Future

Autoren: Jun Eishima (Original), Stephen Kohler (Übersetzung)
Verlag: Square Enix Books
Genre: Fantasy
Seiten:
 384
Alter: ab 6 Jahren
Erscheinungsdatum: 14. Juli 2020 (Englisch, deutsche Version nicht geplant)

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