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Review: Destroy All Humans! im Test

Der Weltraum, unendliche Weiten. In all diesen weit, weit entfernten Galaxien, muss es doch einfach auch anderes intelligentes Leben als uns geben, oder? I want to belive – genau wie die Pandemic Studios, die sich 2005 in allen Details überlegten, wie so ein außerirdisches Volk aussehen könnte, und ihre Recherche schließlich in Destroy All Humans! unterbrachten, einem Beinahe-Open-World-Action-Abenteuer mit Humor, der nicht von dieser Welt war. Mittlerweile sind 15 Jahre ins Land gezogen und die Serie ist trotz Fortsetzung so gut wie in Vergessenheit geraten. Zumindest bis jetzt – denn 2020 machen sich nun die Entwickler von Black Forest Games an den Klassiker und hauchen ihm neues Leben ein – und zwar massig.

Die Invasion kommt!

Ein Atomraketen-Test inmitten der fiktiven 50er-Jahre, Erde. Ein General befindet sich auf dem Weg zum Testgelände, als plötzlich ein Ufo am Himmel auftaucht, doch der Countdown läuft und lässt sich nicht mehr stoppen. So kommt es, wie es kommen muss: Die Rakete trifft das UFO und lässt es sogleich abstürzen. Aus dem Wrack schleppt sich mit letzter Kraft ein Alien, Cryptosporidium 136. Er versucht noch, der bevorstehenden Gefangennahme durch die Erdlinge zu entkommen, bricht letztendlich aber bewusstlos zusammen.

Auf dem Mutterschiff des Außerirdischen kommt das alles gar nicht gut an und so schickt Wissenschafter Orthopox, kurz Pox, sogleich den Klon Cryptosporidium 137, kurz Crypto, zur Erde, um dessen Mission zu übernehmen: Die Spezies Furon haben sich im Laufe der Zeit zu einer rein geklonten Art entwickelt, deren DNS durch das ewige Klonen langsam unbrauchbar wird. Glücklicherweise gab es da einst einen kleinen „Zwischenfall“, der dafür gesorgt hat, dass jeder Mensch auch ein wenig Furon-DNS in sich trägt. Diese brauchen die Aliens nun also, um ihre eigene, geschwächte DNS wieder erstarken zu lassen. Und gleichzeitig gilt es natürlich auch, Cryptos Bruder aus den Klauen der Erdenbürger zu befreien.

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Auf der Erde angekommen, versucht ihr also in den Fußstapfen Cryptos, mit den primitiven Eingeborenen Kontakt aufzunehmen. Die ersten Versuche schlagen allerdings fehl, denn die wiederkäuenden Erdlinge (aka Kühe), wollen keine Informationen über ihre Anführer herausrücken. Also muss Crypto andere Geschosse auffahren …

Invader Crypto

Im Spiel steuert ihr den kleinen grauen Alien, und zwar wahlweise mittels Maus und Tastatur oder auch per Controller. Die Empfehlung geht dabei ganz klar in Richtung Controller, auch deshalb, da nur so richtiges Nostalgie-Flair aufkommt – immerhin erschien das Original nur auf Xbox und Playstation 2.

Zur Verteidigung gegen die angriffslustigen Erdlinge stehen Crypto einige Alien-Waffen und besondere Fähigkeiten zur Verfügung. Die ersten darunter lernt man recht schnell, beispielsweise springen oder den Einsatz des Jetpacks, welches durch Gedrückthalten der Sprungtaste aktiviert wird. Per Energiestrahl dürft ihr den Menschen zudem ganz flink den Garaus machen. Schwieriger wird es dann schon bei der Steuerung von Cryptos Raumschiff, das mit seinen Schilden und der stärkeren Feuerkraft noch viel mehr Schaden anrichten kann. Sind die haarlosen Affen erstmal zu Boden gegangen, so kann und muss man im Anschluss noch ihre Gehirne extrahieren und frische DNS für die Furon ernten, um sie nach jeder Mission in Upgrades für Crypto und sein Raumschiff umzutauschen.

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Ein Witz jagt den nächsten

Mit den ersten Missionen bekommt ihr auch immer neue Fähigkeiten – die wichtigste und auch spaßigste darunter das Gedankenlesen, vor allem in Verbindung mit der Fähigkeit Tarnung. So könnt ihr Menschen scannen und euch als diese ausgeben, um nicht aufzufallen, oder gar um in gesperrte Bereiche zu gelangen, die euch sonst verwehrt blieben, denn ein Bürgermeister oder General darf nun mal andere Bereiche erkunden, als es ein einfacher Bürger darf.

Um die Illusion aufrechtzuerhalten, braucht ihr eben das Gedankenlesen, damit diese Primitivlinge nichts von der Täuschung bemerken. Gleichzeitig sind die Gedanken der unterschiedlichen Erdlinge oft wundervoll amüsant und stecken voller Referenzen an die Popkultur der 50er-Jahre oder auch zukünftige Ereignisse. Der Spaßfaktor ist aber nicht nur auf die Gedanken der Erdenbürger beschränkt: Die Cutscenes und Einwürfe von Crypto und Pox strotzen nur so vor trockenem Humor samt oft genialen Punch-Lines. Genau hiervon lebt Destroy All Humans! auch, denn obwohl die Story sehr gelungen ist und die Aufgaben unterhalten, dreht sich unterm Strich doch alles um die schlichte, vollkommene und absolut wunderbare Zerstörung der jeweiligen Levels – und eben all die schrägen Dinge, die einen dabei zum Schmunzeln oder lauthals Lachen bringen.

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Remake?

Das Schöne am Alter ist, dass man einiges schon erlebt hat und sich an vieles Erinnern kann – auch wenn es im Schleier der Erinnerung oft besser aussieht, als es tatsächlich war. Als Destroy All Humans! erstmals erschien, war es revolutionär: für damalige Verhältnisse große Levels als Vorreiter von Open-World, eine klasse Story, großartige Animation, und man konnte alles in die Luft jagen. Das Spiel war simpel und doch absolut fantastisch. Was würden wir dafür geben, uns wieder wie damals zu fühlen, beim Zocken solcher Perlen in Kinder- oder Teenager-Jahren? Doch so großartig viele Remakes auch seien mögen, das waschechte Nostalgie-Feeling bleibt meist aus und die meisten „Remakes“ machen auch eher neue Games aus alten Konzepten, anstatt die originalen Klassiker in neuem Gewand tatsächlich wiederauferstehen zu lassen. Das ist es hier ganz und gar nicht der Fall.

Von der ersten Sekunde an fühlt sich Destroy All Humans! wie in der Erinnerung an, natürlich grafisch und steuerungstechnisch aufpoliert, doch immer noch wie das Original von vor 15 Jahren – und das hat gute und schlechte Seiten. Die Entwickler von Black Forest Games haben sich in mühevoller Kleinarbeit den ursprünglichen Quellcode angesehen und ihn Schritt für Schritt in die moderne Unreal Engine überführt. Das heißt, eigentlich ist alles neu programmiert und modelliert, auch wenn es sich nicht so anfühlt.

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Bei den „Ausgrabungen“ ist man zudem auch auf ein archäologisches Wunder gestoßen: ein unfertiges Level, das nun vervollständigt und mit ins Remake genommen wurde. Für Fans ist das beinahe so großartig, als hätte man beim Reinigen der Mona Lisa noch ihre Schwester auf dem Bild gefunden.

Trotz aller Restauration bleibt das Spiel allerdings 15 Jahre alt und was damals wie riesige Levels wirkte, läuft heutzutage auf eher kurze Missionen heraus, die ihr im Allgemeinen in rund 30 Minuten erledigt habt. Obendrein bietet das Gameplay kaum Abwechslung, vor allem innerhalb der Kampagne selbst. Das muss kein Nachteil sein, wirkt im Angesicht moderner Games dann aber doch veraltet. Immerhin warten in jedem Level auch Herausforderungen auf uns, die frischen Wind in (bzw. zwischen) die Missionen bringen.

Dem Gameplay selbst hat man indessen ebenfalls eine Verjüngungskur verpasst, die sich vorwiegend auf Quality-of-Life-Änderungen fokussiert: So war es im Original etwa immer nur möglich, eine einzige Aktion gleichzeitig durchzuführen – also entweder mit der Strahlenkanone zu schießen, DNA aus den Hirnen getöteter Menschen zu extrahieren oder noch lebendige Erdlinge per Telekinese durch die Luft zu werfen –, während Crypto jetzt voll aufdrehen und alles gleichzeitig tun darf.

In Sachen Sound stützt man sich auf überarbeitete Versionen der originalen Melodien und Sprachausgabe mit gelegentlichen Tweaks, und auch hier gilt einmal mehr: Nostalgie-Feeling pur, dafür jedoch teilweise doch deutliche Altersschwächen wie sich deutlich wiederholende Zeilen oder verwaschene Soundeffekte. Nicht schlecht, aber eben nicht am Standard 2020.

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So muss die Erde vernichtet werden

Destroy All Humans! ist von Anfang an der Klassiker, den man in der Erinnerung hat - mit Betonung auf "in Erinnerung hat", denn tatsächlich sieht die neue Version um ganze Welten besser aus. Nichts lässt auch nur erahnen, welche Arbeit und welcher Aufwand in dem Remake tatsächlich stecken und mit wie viel Liebe zum Detail die Entwickler hier versucht (und es geschafft) haben, das Original wiederauferstehen zu lassen. Doch während nostalgische Fans der ersten Stunde genau das lieben werden, könnte so mancher andere (neue) Spieler eben diese Dinge auch negativ auslegen, da an vieler Stelle doch deutlich wird, wie viele Jahre der Titel auf dem Buckel hat. So sind die Missionen im Grunde doch alle sehr ähnlich und vor allem der Sound liegt auch weit hinter dem modernen Standard zurück. Immerhin die Comic-hafte Grafik gibt sich dank kompletter Überarbeitung auch 2020 keine Blöße, und die Story, das Destruktions-Konzept selbst und der wundervolle Humor sind ebenfalls nach wie vor großartig. Wer also der Menschheit mit viel Witz und ein wenig Nostalgie ein Ende bereiten will, der wird hier voll auf seine Kosten kommen.

8.3
Grafik:
9
Sound:
7
Steuerung:
9
Story:
8
Destroy All Humans!

Destroy All Humans!

System: PlayStation 4, Xbox One, PC (Steam, Google Stadia)
Getestet auf: PC (Steam)
Genre: Action-Adventure
Entwickler/Publisher: Black Forest Games/THQ Nordic
Erscheinungsdatum: 28. Juli 2020

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