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Review: Iron Harvest im Test

Iron Harvest im Test - Review von Unaltered Magazine

“Der Krieg, der alle Kriege beendet” ist seit Kurzem vorbei, doch nicht so, wie wir es kennen, denn Iron Harvest bedient sich einer alternativen Welt. Basierend auf den Zeichnungen von Jakub Różalski spielt es in einer Welt, die fasziniert von laufenden Maschinen und jeder Technologie, die den Alltag verbessert, ist. Doch wie so oft passt die rein zivile Nutzung der Maschinen aus Nikolai Teslas Fabrik den Militärs nicht und so werden aus den einst friedlichen Arbeitsgeräten üble Kampfmaschinen.

Iron Harvest, startete als Kickstarter-Kampagne, um das futuristisch-altertümliche Universum des Steelpunk in einem Echtzeitstrategie-Spiel auf die heimischen PCs zu bringen. Ganz abwegig und neu ist diese Idee nicht, denn schon im Strategie Brettspiel Scythe baute man auf dieses Konzept und so wird sich einmal mehr seiner Welt bedient.

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Polania, Rusviets oder doch Saxony?

Für alle, denen weder Scythe noch Jakub Różalski ein Begriff sind, wollen wir die agierenden Nationen in Iron Harvest kurz näher erklären. Das Geschehen spielt sich vorwiegend im Osten Europas ab. Hier haben wir die Republik Polanien, eine polnisch angelehnte Nation, wohingegen Rusviets natürlich Quasi-Russen sind und das Sächsische Imperium die Fraktion rund um den Deutschen Kaiser darstellt.

Unsere Reise beginnt mit der kleinen Anna Kos. Das polanische Kind emanzipiert sich ein wenig und zeigt den Jungen aus dem Dorf, dass auch Mädchen es bei Schneeballschlachten kräftig drauf haben – und nicht nur hier, denn ihr größerer Bruder Janek zeigt ihr obendrein, wie man schießt und geht mit ihr auf die Jagd. Während dieser werden sie von einem Bären angegriffen, den Anna erlegt, um ihren Bruder vor dem sicheren Tod zu bewahren. Leider ist nicht alles so, wie es scheint: Der Bär war nämlich eine Mutter, die nur ihr Junges beschützen wollte. Getrieben von Schuldgefühlen nimmt Anna den Bärenwaisen auf, der von nun an ihr treuer Begleiter wird. Janek tritt, entgegen dem Wunsch seines Vaters, an der Seite seines Onkels Lech in den Krieg ein.

Ein paar Jahre vergehen, Anna ist inzwischen erwachsen und muss mit dem Verlust von Janek fertig werden, der als im Krieg gefallen gilt, während die Rusviets unter der Führung von General Zubov in das Heimatstädtchen von Anna einfallen, auf der Suche nach einem Professor. Anna ist mittlerweile eine Meisterschützin und auch ihr Bärenjunges Wojtek ist kein kleines Fellknäuel mehr, sondern ein ausgewachsener Bär, der sich für seine Ziehmutter in jede Schlacht wirft. So versammelt Anna nach und nach die Rebellentruppen der Stadt unter sich und führt sie im Kampf gegen Zubov an. Als alles verloren scheint, kommt ihr Onkel Lech in seinem Mech zu Hilfe und das Dorf kann gerettet werden – aber leider nur das Dorf, denn den Professor findet Zubov. Anna macht sich also an der Seite ihres Onkels auf, Zubov und die Rusviets aus ihrem Heimatland zu vertreiben, und wird dabei immer tiefer in ein Geflecht von Macht und Krieg gezogen, das Fragen über Fragen aufwirft: Was will Zubov von dem saxonyschen Wissenschaftler Steinmetz und wer oder was zur Hölle ist Fenris?

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Echtzeitstrategie in Reinkultur

Gesteuert wird Iron Harvest für das Echtzeitstrategie-Genre ganz klassisch mit Maus und Tastatur. Hier gibt es eigentlich keine Überraschungen: Mit Links-Klick werden Einheiten oder Gebäude ausgewählt und mit einem Rechts-Klick lassen sich die Einheiten an den gewünschten Ort bewegen. Die Kamera dürft ihr entweder durch Schieben des Mauszeigers an den Kartenrand oder durch Klicken auf die Minimap verschieben, aber auch mit WASD lässt sich die Kamera bewegen, sowie mit Q und E drehen.

Etwas ungewöhnlicher wird es da schon für den kompetitiven Bereich, denn alle Aktionen sind auch durch verschiedene Buchstaben am Keyboard ausführbar. Was Iron Harvest nun zu einem Echtzeitstrategie-Spiel der alten Schule macht, ist relativ leicht erklärt: Neben der schon erwähnten Genre-typischen Steuerung, sind auch eine Limitierung der Anzahl der Einheiten, ein ausführlicher Tech-Tree und die Einbindung von Führungscharakteren Elemente, die man aus der Blütezeit des Genres kennt. Wenn man einen Vergleich ziehen will, so ist das Grundprinzip am besten mit Warcraft 3 zu vergleichen, wobei der größte Unterschied, neben der fiktiven Welt, die Anzahl der zu bauenden Gebäude ist. Hier ist alles sehr schlicht gehalten: Es gibt bloß ein Hauptgebäude, eine Kaserne, eine Werkstatt und ein paar Verteidigungsanlagen.

Gebaut wird alles durch Pioniere, was einen riesigen Vorteil ins Kampfgeschehen bringt, denn dadurch sind Bauplätze für Verteidigungsanlagen nicht an die Basis gebunden und können überall aufgebaut werden. Doch der Teufel steckt im Detail, und so haben alle Einheiten und Gebäude einen Rang. Während Einheiten durch Kämpfe oder andere Aktionen, wie bauen, aufsteigen können, müssen die Gebäude selbst aufgewertet werden. Bei Verteidigungsanlagen kann dies entfallen, wenn ihr höherrangige Pioniere habt, da diese dann die besseren Gebäude sofort bauen können. Gleiches gilt auch für die Ressourcen-Produktionsstätten: Abseits der limitierten Personenanzahl in eurem Volk gibt es noch Öl und Eisen als Rohstoffe, die abgebaut werden müssen. Dafür stehen es auf den Karten Minen und Pumpen zur Verfügung, die eingenommen und auch verbessert werden können. Nicht jede Nation hat dabei den gleichen Bedarf an Rohstoffen, manche sind wahre Öl-Vernichter, andere müssen alles mit viel Eisen stabilisieren.

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Der Echtzeitstrategie-Hit schlechthin?

Die Kampagne von Iron Harvest ist ein Traum. Ihr beginnt mit der polanischen Kampagne, arbeitet euch über die Rusviets weiter vor und beendet die Story dann auf der saxonischen Seite. Insgesamt erwarten euch rund 20 Missionen, wobei jede davon ihre eigenen Schwierigkeiten mit sich bringt und jeden Strategen mit harten Nüssen zurücklässt. Das alleine macht die Kampagne aber noch nicht großartig, doch auch die Story ist so fesselnd wie spannend und wird geschickt durch eine Mischung aus Cutscenes und In-Game-Dialogen erzählt, sodass man manchmal eher wissen will, wie es weitergeht, als die tatsächliche Mission zu spielen. Man merkt, dass die Entwickler hier ihren Fokus gelegt haben. Selbst das Tutorial ist so schön in die Story rund um die kleine Anna in ihrer Schneeballschlacht verpackt, dass einem gar nicht bewusst ist, dass man ein Tutorial spielt.

Auch der Multiplayer spielt sich angenehm flüssig und bietet klassische Echtzeitstrategie; trotzdem ist nicht alles eitel Wonne bei Iron Harvest. Gelegentlich gibt es Grafikbugs, die sehr unschön sind und im schlimmsten Fall sogar einen Neustart des Spiels erfordern. Dafür wird man aber mit einer Umgebung belohnt, die auf das Kriegsgeschehen richtig eingeht. Es sieht atemberaubend aus, wenn ein Mech einfach durch ein Gebäude spaziert und es einreißt, oder Artillerie riesige Löcher in die Umgebung schießt.

Viel schwerwiegender ist da die nicht ganz ideale Balance zwischen den Einheiten. Ist diese innerhalb der jeweiligen Soldatenränge noch relativ gut gelöst und mit dem klassischen Stein-Schere-Papier-Prinzip abgedeckt, so wird alles durch die Mechs recht unausgeglichen, was dazu führt, dass man letztendlich fast nur Mechs auf dem Schlachtfeld einsetzt. Soldaten kommen spätestens ab Tier zwei so gut wie nicht mehr zum Zug, lediglich mit Ausnahme der Pioniere, die neben dem Bau von Gebäuden auch Mechs reparieren können. Zumindest in der Kampagne; im Multiplayer bekommen die Soldateneinheiten etwas mehr Aufmerksamkeit, da man mit ihnen schnelle anfängliche Attacken durchführen kann. Sind erstmal Mechs am Plan, haben die Soldaten aber auch hier ausgedient. Dabei ist das Balancing der Einheiten gerade bei einem Echtzeitstrategiespiel das Um und Auf, sodass diese kleinen Unstimmigkeiten uns viel vom Spaß des Multiplayers nehmen.

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Auf in die Schlacht

Iron Harvest ist ein Echtzeitstrategie-Spiel der alten Schule: Sowohl das Farmen von Ressourcen wie auch das Bauen von Einheiten und Gebäuden bietet nichts, das man nicht schon mal gesehen hätte – dennoch macht das einzigartige Universum ein völlig neues Erlebnis draus. Die Kampagne ist wunderbar, mit perfekt inszenierten Figuren und einer wahnsinnig fesselnden Story. Das einige Bugs behoben werden müssen und am Balancing noch Verbesserungen vorgenommen werden sollten, ist zwar unschön, schmälert den Gesamteindruck letztendlich aber dennoch nur minimal und erfordert im Multiplayer sogar neue, kreative Ansätze. Angesichts der Tatsache, dass Dauerbrenner wie Warcraft 3 oder StarCraft 2 mit viel mehr Erfahrung bei den Entwicklern auch zu Beginn nicht ganz ausbalanciert waren, kann man hier noch auf Einiges hoffen.

8.2
Grafik:
8
Sound:
8
Steuerung:
9
Story:
10
Balancing:
6
Iron Harvest

Iron Harvest

Systeme: PC (Xbox One und PS4 folgen am 9. Jänner 2021)
Getestet auf: PC Ryzen 7 3700k, Radeon 5700XT, 32 GB RAM
Genre: Echtzeitstrategie
Entwickler / Publisher: King Art/ Deep Silver
Erscheinungsdatum: 1. September 2020

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