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Review: Yakuza: Like a Dragon im Test

Nach sechs Spielen der Hauptreihe sowie diversen Spin-offs kommt mit Yakuza: Like a Dragon frischer Wind in die beliebte Serie. Dazu hat man sich nicht nur von der Hauptfigur, sondern auch direkt vom gesamten Genre verabschiedet. Bei Yakuza: Like a Dragon handelt es sich nämlich um ein waschechtes JRPG.

Es erfordert etwas Eingewöhnungszeit, sich an die Kombination aus Setting und Genre zu gewöhnen, die Yakuza: Like a Dragon uns bietet. Wer bei rundenbasierten Rollenspielen sofort an Drachen denkt, die wir mit möglichst überdimensionierten Schwertern erschlagen, wird umdenken oder sich ein anderes Spiel suchen müssen, denn Hauptfigur Ichiban Kasuga und die MitstreiterInnen, die sich ihm im Laufe des Spiels anschließen, bekämpfen ihre zumeist menschlichen Feinde in Häuserkomplexen, Abwasserkanälen oder direkt zwischen Passanten auf der Straße. Nach einer gewissen Eingewöhnungsphase merkt man aber schnell, dass das Spiel, von seinem für ein RPG ungewohnten Setting abgesehen, geradezu klassisch ist. In jeder Runde wählt man, ob man angreifen, blocken, Items benutzen oder charakterspezifische Spezialattacken einsetzen will; später kommen auch noch Summons dazu. Aufgelockert werden die Kämpfe durch korrekt zu timende Knopfdrücke, mit denen man entweder gegnerischen Schaden durch gegnerische Attacken minimieren oder den eigenen Schaden verstärken kann.

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Ebenso darf man die Umgebung nicht außer Acht lassen: Stürmt ihr beispielsweise auf einen weiter hinten stehenden Gegner zu, verpassen euch seine Kumpanen einen Schlag, wenn ihr ihnen dabei zu nahe kommt, und euer Angriff schlägt fehl. Andererseits kann euch die Umgebung auch nutzen: Kasuga schnappt sich auf seinem Weg zum Gegner alles, was er in die Finger bekommt, und haut seinen Feinden beispielsweise Verkehrshütchen oder Fahrräder um die Ohren. In Kombination mit der teils zu hektischen, aber dynamischen Kamera kommt man dabei vom Gefühl her durchaus an das mehr actionorientierte Gameplay der Vorgänger heran – zumindest dann, wenn die Figuren nicht wieder an irgendwas hängen bleiben und sich entweder durch das Hindernis „durchglitchen“ oder einen ewig langen Umweg nehmen. Das passiert häufiger, als einem lieb ist, denn alle Figuren laufen unentwegt auf dem Schlachtfeld herum.

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Storybedingt ist man in Yakuza: Like a Dragon für längere Zeit finanziell gesehen nicht gerade auf Rosen gebettet. Das führt immer wieder zu Frustmomenten, denn die wirklich gute Ausrüstung ist richtig teuer und der Schwierigkeitsgrad hat manchmal seltsame Ausreißer nach oben. Man muss gelegentlich etwas grinden, wenn man an gewissen Bossen nicht verzweifeln will. Diese sind nämlich manchmal so mächtig, dass sie schwachbrüstige Helden mit einem einzigen Schlag killen. Man könnte mit dem Gedanken spielen, seine Charaktere per Job-System umzuschulen, aber das erfordert auch wieder Ressourcen für neues Equipment. Ungefähr in der Mitte des Spiels wird zwar ein Dungeon speziell zum Trainieren freigeschaltet, aber in den ewig gleichen Gängen auf die ewig gleichen Gegnerwellen einzuschlagen, wird schnell langweilig.

Es muss nicht immer Gewalt sein

Abseits des veränderten Kampfsystems hat sich Yakuza: Like a Dragon seine Wurzeln bewahrt. Das bezieht sich auf die Art des Storytelling, die Charakterzeichnung und all den Kram, den man abseits der Hauptstory machen kann. Wer die asiatische Küche liebt, sollte das Spiel auf jeden Fall nicht mit leerem Magen starten, so viele kleine Restaurants gibt es. Aber wirklich spannend wird es erwartungsgemäß bei den Mini-Games und da hat Sega sich wieder mal nicht lumpen lassen. Ihr könnt mit euren Partykollegen eine Runde Dart spielen, eine Karaokebar besuchen, eure Skills durch ein Quiz verbessern, Theatervorstellungen mitplanen, Kartrennen fahren oder in der Spielhalle alte Sega-Klassiker wie Outrun oder Virtua Fighter zocken. Ihr solltet auf jeden Fall öfters einen Blick auf die Karte werfen, damit ihr nichts verpasst – einige der Mini-Spiele bergen durch die Kombination aus simpler Steuerung und komplett überzogener Präsentation nämlich wirklich Suchtpotential. Da der neue Schauplatz sehr groß und abwechslungsreich ist, und dabei auch richtig lebendig wirkt, geht man zudem generell gerne auf Erkundungstour.

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Abseits einiger schöner Effekte im Kampf und der abwechslungsreich designten Stadt reißt Yakuza: Like a Dragon technisch gesehen aber keine Bäume aus. Die Umgebung bieten den einen oder anderen unschönen Texturenmatsch und bevor eine neue Sequenz beginnt, gerät das Spiel des Öfteren ins Stocken. Die Cutscenes sind durchaus gut in Szene gesetzt, aber wenn bei anderen Story-Events sogar die guten alten Textboxen hervorgekramt werden, wirkt das 2020 befremdlich. Auch passiert es immer wieder, dass Charaktere in Unterhaltungen seltsam platziert sind und direkt aneinander vorbeigucken, obwohl sie gerade eine hitzige Unterhaltung führen. Diese erfolgen wahlweise auf Englisch oder Japanisch, eine deutsche Vertonung gibt es nicht. Das ist aber vielleicht auch besser so, denn die deutschen Untertitel sind manchmal wirklich abenteuerlich übersetzt. Wobei man einräumen muss, dass man hier vielleicht auch die japanischen Texte als Grundlage genommen hat und die Unterschiede so entstanden sind (wie es beispielsweise bei Final Fantasy X passiert ist).

Aus dem Clan in die Gosse und zurück?

Ichiban ist kein schlechter Kerl. Er mag zwar ein Hitzkopf sein und der Yakuza angehören, aber trotz seiner schlimmen Kindheit geht er erstaunlich heiter durchs Leben. Der bekennende Dragon Quest-Fan sieht den Patriarchen der Arakawa-Familie des Tojo-Clans als Vaterfigur, nachdem dieser ihn einst vor einer rivalisierenden Familie rettete. So erklärt er sich auch sofort bereit, die Schuld für einen Mord auf sich zu nehmen, um die Familie zu schützen. Achtzehn Jahre später wird Ichiban aus dem Gefängnis entlassen und alles scheint sich geändert zu haben. Als er schließlich den Patriarchen ausfindig macht, schießt dieser ihn nieder. Kasuga erwacht Tage später in einer Mülltonne und muss auf eigene Faust herausfinden, was sein Vorbild so verändert hat.

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Die Story folgt den üblichen Genrekonventionen; Ehre, Familie, Tradition und alles, was man sonst mit Yakuza verbindet, findet sich hier ebenfalls. Vorhersehbar ist Yakuza: Like a Dragon aber nicht, denn mit Twists haben die Autoren nicht gespart, sondern vielmehr ein wenig übertrieben. Für jede verblüffende Wendung scheint es eine zu geben, die einen nachdenklich am Kopf kratzen lässt. Hier wäre weniger mehr gewesen. Aber man bleibt dennoch dabei. Schließlich ist Kasuga ein sympathischer Kerl, dem man gerne zusieht – denn auch wenn er manchmal haarsträubend naiv ist, kann man ihm doch nicht böse sein.

Empfehlenswert, aber nicht für jeden

Vorab möchte ich sagen, dass ich vorher noch nie einen Teil von Yakuza gespielt habe, aber als Einstiegspunkt funktioniert Yakuza: Like a Dragon ziemlich gut. Leider krankt das Spiel am unausgegorenen Kampfsystem, welches seinen Reiz schnell verliert. Mein größtes Problem ist aber das Storytelling an sich: Was ich im ersten Absatz über die Story geschrieben habe, dauert im Spiel fast drei Stunden! Das hätte man alles etwas kompakter inszenieren können. Ich war des Öfteren kurz davor, Dialoge zu skippen, und das ist wirklich nicht meine Art. Nach dem zähen Beginn hatte ich aber durchaus etwas Spaß. Nur leider nicht genug, um mich zum Fan der Reihe zu machen – dazu haben mich zu viele Dinge genervt. Trotzdem, und das betone ich ausdrücklich, möchte ich Yakuza: Like a Dragon empfehlen! Ich kann mir durchaus vorstellen, dass das Spiel bei anderen zündet. Fans greifen ohnehin zu und addieren noch ein paar Punkte auf die Wertung.

7.8
Grafik:
7
Sound:
8
Steuerung:
9
Story:
8
Technische Performance:
7
Yakuza: Like a Dragon

Yakuza: Like a Dragon

Systeme: PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series, PC
Getestet auf: PS4
Genre: Rollenspiel, JRPG
Entwickler / Publisher: Ryu Ga Gotoku Studio / Sega
Erscheinungsdatum: 10. November 2020

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