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Review: Assassin’s Creed Valhalla im Test

Assassin's Creed Valhalla im Test - Review von Unaltered Magazine Header

Ubisoft lässt seine Meuchelmörder zum zwölften Mal los! Diesmal geht es ins Jahr 873 n. Chr., wo wir als Wikinger nach England übersiedeln, um dort eine neue Heimat aufzubauen. Wie seine direkten Vorgänger ist auch Assassin’s Creed Valhalla ein Open-World-Action-Adventure mit wahrhaft gigantischem Umfang geworden. Schreibt Hauptfigur Eivor die Erfolgsgeschichte weiter?

Das laute Knallen, welches ihr am 27.Oktober gehört habt, stammte von den Sektkorken aus den Ubisoft Büros. Die erneute Verschiebung von Cyberpunk 2077 dürfte viele Spieler dazu bewegt haben, sich zunächst Assassin’s Creed Valhalla zuzulegen, dessen Release sonst nur knapp vor der Veröffentlichung von CD Projekt Reds neuestem Werk gelegen hätte. Valhalla führt die Tradition von Origins und Odyssey konsequent weiter und geht doch eigene Wege. Werfen wir zunächst mal einen Blick auf die Geschichte.

Eivor und die starken Männer

Wie im Vorgänger Odyssey lässt uns das Spiel die Wahl, ob wir Mann oder Frau spielen. Neu ist aber, dass wir im Spiel immer wechseln können und sogar die Option haben, den Animus selbst im laufenden Spiel „an passender Stelle“ wechseln zu lassen. Dies geschieht erst später im Spiel und macht narrativ sogar durchaus Sinn. Da bei der freien Wahl meistens die weibliche Eivor ausgewählt ist, wird in diesem Review zum besseren Verständnis von „ihr“ gesprochen. Unterschiede in den Dialogen und der Reaktion der NPCs auf euch gibt es ohnehin nicht.

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Die ersten Stunden von Assassin’s Creed Valhalla spielen in Norwegen, wo wir zunächst ein Ereignis aus den Kindertagen Eivors sehen. Wenig überraschend sterben dabei ihre Eltern, was mittlerweile nicht nur in Ubisoft-Spielen ein ausgelutschtes Klischee ist. Nach einem Zeitsprung kann Eivor Rache üben und wir lernen den Clan kennen, bei dem sie aufgenommen wurde. Als dessen Anführer sich dem neuen König des geeinten Norwegens unterwirft, schließt sie sich ihrem Adoptivbruder an und segelt mit einem Großteil des Clans nach England, wo sie die Siedlung Ravensthorpe gründen. Um in der neuen Welt Fuß zu fassen, müssen Allianzen geschmiedet, Feinde bekämpft und Raubzüge durchgeführt werden. Viel zu tun für Eivor also, die von den erstmals seit Längerem wieder auftauchenden Assassinen auch noch eigene Aufträge bekommt. Hinterfragen tut sie keinen ihrer blutigen Aufträge und agiert mit der stoischen Haltung eines Wikingers. Im Vergleich zu anderen Hauptfiguren der Reihe wirkt Eivor eher schlicht, aber nicht unsympathisch. Natürlich gibt es auch wieder eine Storyline in der Gegenwart, wo Layla mit den Ereignissen aus dem Vorgänger hadert und eine lang angekündigte Katastrophe einzutreten scheint. Alles in allem hat sich Ubisoft wieder eine schöne Geschichte ausgedacht, die zum Franchise passt und mit ein paar guten Figuren punkten kann.

Ein Wikinger-Assassine?

Assassin’s Creed Valhalla ist eine direkte Reaktion auf die Kritik am Vorgänger Odyssey. Dort hat es sich selten gelohnt, seine Ausrüstung zu verbessern, da man ständig neue fand. Außerdem war wie häufig bei Ubisoft die Karte schnell von Questmarkern übersäht. Diese Kritikpunkte merzt Valhalla nahezu aus. Neue Rüstungen findet man nur noch selten, was ihren Wert enorm erhöht. Auf der anderen Seite wechselt man diese aber auch nur noch selten, da man jedes neue Stück mit den mühsam gefarmten Ressourcen erstmal auf ein entsprechendes Level bringen muss, bevor man seinen alten Schutz aufgibt. Um diese zu finden, kann man erneut auf Hilfe aus der Luft bauen, die aber nicht mehr so überpowert ist wie im Vorgänger. Der Rabe (das Tier kann später auch geändert werden) kann zwar die ungefähren Fundorte markieren, die Umgebung erforschen müsst ihr aber selbst. Kletterpassagen, Umgebungsrätsel, Kämpfe – für euer Loot müsst ihr arbeiten, und das ist auch genau richtig so.

Um die Siedlung auszubauen, dürft ihr kein Einzelkämpfer sein und müsst von Zeit zu Zeit mit eurer Mannschaft Festungen, Klöster und Siedlungen überfallen. Im chaotischen Geschehen kommt das Kampfsystem so richtig zum Tragen. Erstmals in der Serie habt ihr eine Ausdauerleiste, auf die ihr achten müsst. Die verschiedenen Gegnertypen können die Umgebung genauso nutzen wie Eivor und durch die verschiedenen Waffentypen und Spezialangriffe verlangt jede der blutigen Auseinandersetzung (Vorsicht vor fliegenden Körperteilen!) eine gewisse taktische Vorgehensweise. Leider fühlen sich die Kämpfe nicht so „wuchtig“ an wie zum Beispiel in Ghost of Tsushima; ein Schritt in die richtige Richtung sind sie dennoch. Kontrollieren lassen sie sich sehr gut, wenn nicht gerade jemand an einer Wand hängen bleibt. Das ist aber der technischen Umsetzung anzulasten und nicht der Steuerung an sich.

Natürlich wird auch wieder geschlichen. Eivor kann serientypisch an fast jeder Wand hochklettern und aus dem Hinterhalt zuschlagen, und Serienveteranen wird es sehr freuen, dass sich das wieder mehr nach den Anfängen der Serie anfühlt. Vor allem, wenn man die Aufträge der „Hidden Ones“ (wie die Assassinen hier noch heißen) ausführt, kommt richtiges Old-School-Feeling auf, kryptisches Geschwafel nach dem Ausschalten der Zielperson inklusive. Andere Quests verlangen das genaue Untersuchen der Umgebung, wenn ihr beispielsweise einen Verräter im Konzil einer Verbündeten aufspüren sollt. Kein Questmarker führt euch zur richtigen Stelle und im Menü taucht auch keine Meldung auf: „Der/die da war es!“ Generell funktionieren die Aufgaben abseits der Hauptstory eher wie die Stranger-Missionen aus Red Dead Redemption 1+2 und nicht wie klassische Nebenquests. Assassin’s Creed Valhalla ist dadurch ein sehr abwechslungsreiches Spiel geworden. Tipp: Das Würfelspiel und die Beleidigungsduelle der Marke Monkey Island machen richtig Spaß.

Wunderschöne Welt, hässliche Einwohner

„Hässlich“ ist vielleicht ein zu hartes Wort, aber der Unterschied zwischen Umgebung und Personen ist schon erstaunlich. Eivor ist natürlich sehr detailliert gestaltet und auch andere wichtige NPCs wie Adoptivbruder Sigurd haben die nötige Aufmerksamkeit bekommen. Schaut man sich aber einen der namenlosen Bürger an, fühlt man sich vor allem auf der PS4 und der Xbox One so, als hätte Ubisoft alten Charaktermodellen einfach nur neue Klamotten angezogen. Wenn sie dann noch durch einen der zahlreichen Bugs zu einer Monstrosität wie aus einem David Cronenberg Film verschmelzen und einem hinterhergleitet, möchte man nur noch schnell wegreiten. Seinen Blick richtet man ohnehin lieber auf die Spielwelt, die wie so oft der eigentliche Star von Assassin’s Creed ist. Egal ob ihr über verschneite Berge, durch matschige Sümpfe oder auf grünen Hügeln lauft – Assassin’s Creed Valhalla weiß überall zu überzeugen. Besonderes Lob verdient die Tatsache, dass sich fast jede Ecke der Welt individuell anfühlt. Und wem macht es keinen Spaß, seine Spuren im knackenden Schnee hinterlassen zu können? Versucht doch einfach mal, den Namen eures Lieblingsmagazins in den Schnee zu laufen und dabei nicht so zu scheitern wie der Rezensent.

Open-World-Krankheiten

Kein Spiel dieser Größenordnung ist frei von Bugs. Assassin’s Creed Valhalla hat aber noch einige Arbeit vor sich (Grundlage der Rezension war Patch 1.02), bevor es richtig gut läuft. NPCs morphen zusammen, Texturen werden nicht geladen, hochstehendes Gras verschwindet, manchmal treffen Schläge einfach nicht und durch Clippingfehler wirken Finisher gelegentlich unfreiwillig komisch. In Kombination mit der zwar guten, aber nicht denkwürdigen Musik und der bisweilen seltsam blechernden Soundqualität der Dialoge geht das Spiel leider nicht ohne Kritik über die Ziellinie. Zu Abstürzen kam es bei uns nur einmal, neu laden mussten wir dennoch öfter. In einem besonders kuriosen Fall verschwand Eivor in Dialogen und der NPC unterhielt sich mit einem fliegenden Bogen und Schild. Und so lobenswert das Verhalten der Gegner in Kämpfen auch ist, so dumm sind sie auch manchmal. Häufig genügt es, wenn man einfach über ein paar Dächer flüchtet, nachdem man entdeckt wurde.

Hält alles, was erwartet wurde

Assassin’s Creed Valhalla ist ein richtig gutes Spiel geworden, welches nach der bekannten Formel funktioniert, aber auch einiges neu macht. Mir hat vor allem das Erkunden gefallen, das sich endlich lohnenswert anfühlt. Das Ausbauen der Siedlung ist ein motivierendes Feature, das auch spielerischen Mehrwert hat. Tipp: Baut zuerst das Büro der Assassinen und die Hütte der Seherin, denn beide eröffnen neue Quest-Lines. Außerdem solltet ihr im Menü das HUD auf das Nötigste reduzieren, um die Welt richtig wirken zu lassen. Wenn Ubisoft jetzt noch auf ihre typischen Faxen wie den Echtgeld-Shop verzichten und die Bugs in den Griff bekommen würde, wäre ich wunschlos glücklich. Assassin’s Creed Valhalla ist aber ohne Zweifel ein sehr guter Zeitvertreib für die dunkle Jahreszeit. Wenn ihr könnt, solltet ihr dafür die neue Konsolengeneration nutzen.

9
Grafik:
9
Sound:
8
Steuerung:
10
Story:
8
Open World Feeling:
10
Assassin's Creed Valhalla

Assassin's Creed Valhalla

Systeme: PC (Steam), Xbox One, Xbox Series X | S, PlayStation 4, PlayStation 5
Getestet auf: PS4
Genre: Open World, Action adventure
Entwickler / Publisher: Ubisoft Montreal / Ubisoft
Erscheinungsdatum: 10. November 2020

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