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Review: Disjunction im Test

Disjunction im Test - Review von Unaltered Magazine

Durch hochrangige Vertreter in jüngster Vergangenheit erlebt das in Vergessenheit geratene Setting des Cyberpunk aktuell eine Renaissance auf dem Spielemarkt. Vor allem aber im Bereich der Rollenspiele, wofür sich das Setting auch besonders gut eignet, tauchen immer mehr Interpretationen auf. So auch das Indie-Projekt Disjunction von Ape Tribe Games. Doch etwas unterscheidet Disjunction von vielen anderen aktuellen Vertretern, denn man verzichtet hier auf opulente Grafik und entschied sich lieber für 16-Bit-Optik mit Retro-Feeling, um uns zu beweisen, dass dieser Stil auch heutzutage noch funktioniert.

Die Welt von morgen

New York im Jahre 2048. Riesige Wolkenkratzer strecken sich in den Himmel und Massentransportmittel sowie private Wagen brausen mit rasender Geschwindigkeit über uns hinweg. So stellt man sich die Zukunft vor, doch trotz neuen, fantastischen Technologien ist nicht alles ist rosig. Während der Wirtschaftskrise 2039 flüchteten viele Menschen vor der Obdachlosigkeit in den Central Park, wo in kürzester Zeit ein ganzes Viertel aus Barracken und Holzhütten entstand. Dieser Teil der Stadt, genannt Central City, sollte einst geräumt werden, wurde aber unter großer Anstrengung von seinen Bewohnern verteidigt, wodurch Lamar Hubbard zu einer Art Bürgermeister von Central City emporstieg.

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Mit Fortbestand von Central City erhielt die Stadt in der Stadt immer mehr Freiheiten, fast schon Autonomie, die selbst der Bürgermeister von New York, Montgomory, nicht anzweifelt. Trotzdem steht ein möglicher Vertrag mit dem großen Rüstungskonzern Bishop-Krauss ins Haus, der die Polizei von New York mit besseren kybernetischen Implantaten und Rüstungen ausstatten soll, wodurch Central City Gefahr drohen könnte. Aber nicht nur in New York ist die Welt in Bewegung, auch Central City hat mit zunehmendem Einzug von zwielichtigen Elementen und der dadurch ansteigenden Kriminalität zu kämpfen, genau wie einer sich auf dem Vormarsch befindenden Droge namens Shard. All dies gipfelt letztendlich in einem Mord am Polizisten Samuel Louis, der sofort Hubbard zur Last gelegt wird. Dieser wird auch sogleich von einem New Yorker SWAT-Team verhaftet, als man ihm am Rande von Central City erblickt. Ihm wird unterstellt, bei seiner Verhaftung unter anderem Shard bei sich gehabt zu haben – und an dieser Stelle kommen wir zum ersten Mal auch direkt ins Spiel.

Als Privatermittler Frank Monroe werden wir von Sybil, einer Vertrauten Hubbards, angerufen, die uns bittet, sich des Falles anzunehmen und Beweise für die Unschuld von Hubbard zu suchen, von der sie überzeugt ist. Dabei erzählt sie uns von einer Klinik, die völlig kostenfrei Menschen behandelt – wo wir doch alle wissen, dass nichts umsonst ist. Interessanterweise werden alle Patienten der Klinik kurz nach ihrem Besuch in dieser verhaftet. Das klingt nach einem seltsamen Zufall, dem wir auf den Grund gehen müssen.

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Der Look von gestern

Wie schon eingangs erwähnt, präsentiert sich Disjunction grafisch im Retro-16-Bit-Stil, was auf ein modernes Publikum auf den ersten Blick mitunter etwas abschreckend wirkt – vor allem wenn der Bildschirm, auf dem ihr spielt, eine gewisse Größe überschreitet. Man gewöhnt sich jedoch sehr schnell an den Look und beginnt dann auch schnell, den tatsächlichen Charme der Spielewelt wertzuschätzen: Die Hintergründe sind liebevoll gestaltet und bieten überraschend viel Tiefe in der Darstellung der Umgebungen. Natürlich sind die Objekte durch den Stil weder hochauflösend noch sehr detailreich, trotzdem lassen sie die Szenerie auf ihre eigene Art und Weise wunderbar lebendig wirken, was in aufpolierten, fotorealistischen Spielen oft fehlt.

Viel Mühe hat man sich auch bei der musikalischen Untermalung gegeben; diese ist absichtlich nicht im 16-Bit-Stil gehalten und wundervoll atmosphärisch, was die angezielte, für Cyberpunk typische dystopische Stimmung erst so richtig zu Geltung kommen lässt. Im Bezug auf die Steuerung gibt es Altbewährtes: Über WASD bzw. mit dem linken Analog-Stick bewegt ihr euch und mit Hilfe der Maus bzw. den Tasten wird gezielt beziehungsweise werden Hauptaktionen wie Schießen ausgeführt. Zusätzlich ist man noch mit Spezialfähigkeiten ausgestattet, die ebenfalls per Tastendruck ausgeführt werden – doch Vorsicht, die Spezialfähigkeiten haben einen Cooldown und verbrauchen Energie, die euch nur beschränkt zur Verfügung steht.

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Entscheidungsfreiheit im Heute

Disjunction bietet durch seine übersichtliche Steuerung und lineare Spielweise einen einfachen Einstieg – und simples, intuitives Gameplay erwartet euch auch im restlichen Spiel. So nahmen die Entwickler von einem riesigen Attributbaum, der mit Erfahrung aufgerüstet werden kann, genauso Abstand wie von einer Open-World. Alles ist übersichtlich gestaltet und konfrontiert selbst unerfahrene Spieler nicht mit zu viel fordernden Optionen. Was hingegen sehr wohl fordernd ist, sind die zu treffenden Entscheidungen, denn egal, ob es die Auswahl der Dialogzeilen oder die Art und Weise, wie man seine Mission absolviert, ist, alles zieht Änderungen im Geschehen nach sich. Wer das nicht so ganz glaubt, der kann es gleich in der ersten Mission testen: Hier hat man, wie in jeder Mission, die Möglichkeit, zu entscheiden, ob man lautlos im Verborgenen vorgehen oder doch wie ein Berserker mit gezogener Waffe alles über den Haufen schießen möchte – oder einen gut abgestimmten Mix aus beidem wählt. Erledigt man die erste Mission nun sehr leise und mit viel Schleichen, so berichtet niemand von unserem Einbruch und auch unsere Auftraggeberin ist schier begeistert darüber, wie wenig Aufsehen wir erregt haben. Ballert ihr stattdessen alles über den Haufen, so finden sich unsere Taten am folgenden Morgen in der Zeitung und unsere Auftraggeberin ist not amused, um es mal nett auszudrücken – und schon beginnen sich die Stränge voneinander zu trennen. Ebenso spannend ist zudem die Möglichkeit, weitere Charaktere zu nutzen, die ebenfalls für andere Story-Zweige sorgen. Insgesamt übernehmt ihr so die Kontrolle über drei Protagonisten, die dank ihrer kybernetischen Implantate alle andere Fähigkeiten besitzen und diese gezielt einsetzen können, was auch den Ausgang eurer Mission maßgeblich beeinflusst.

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Eine rosige Zukunft?

Disjunction liefert sich keine großen Schwächen, lediglich der 16-Bit-Stil könnte so manchem – möchte man gezielt das Haar in der Suppe suchen – ein wenig bitter aufstoßen. Dennoch bietet der Titel eine eigenen Schönheit, die nicht nur auf ihre besondere Art verzaubert, sondern auch viele Vorteile mit sich bringt. So ist das Spiel bloß knappe 300 MB groß, ist dadurch im Null-Komma-Nix heruntergeladen, und lässt sich auf so ziemlich jedem PC spielen. Auch die Missionen sind angenehm kurzweilig, was bedeutet, dass man den Titel auch zwischendurch zur Entspannung zocken kann und nicht unbedingt mehrere Stunden am Stück damit zubringen muss, um Fortschritte zu erkennen. Doch die wahre Stärke liegt in der Story und den vielen Pfaden, die man beschreiten kann. Hier wird alten Hasen und Quereinsteigern gleichermaßen Rollenspiel in seiner ursprünglichsten und besten Form geboten. Wer also Lust auf ein RPG im Cyberpunk-Stil hat, sich aber nicht mit viel Schnick-Schnack befassen und einfach direkt loslegen und in die Welt gezogen werden will, sollte hier unbedingt mal reinschauen – und wird kaum enttäuscht werden.

8
Grafik:
8
Sound:
8
Steuerung:
8
Story:
8
Disjunction

Disjunction

Systeme: PC (Steam, Epic), Xbox One, PS4, Nintendo Switch
Getestet auf: PC Ryzen 7 3700k, Radeon 5700XT, 32 GB RAM
Genre: Rollenspiel
Entwickler / Publisher: Ape Tribe Games / Sold Out
Erscheinungsdatum:  28. Jänner 2021

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