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Review: Mundaun im Test

Mundaun - Review von Unaltered Magazine Header

Lust auf knallharten Horror, der euren Puls mit zahlreichen Jumpscares in die Höhe treibt? Nein?! Sehr gut, dann könnte Mundaun etwas für euch sein. Das Adventure mit der ungewöhnlichen Optik kombiniert subtilen Grusel mit einem unverbrauchten Setting.

Die Almen in den Schweizer Bergen sind nicht nur wunderschön, sondern vor allem auch ganz schön weit abgelegen. Als Junge hat Protagonist Curdin dort viel Zeit mit seinem Großvater verbracht und kehrt nun, nach dessen Tod, zurück. Der Brief des Dorfpfarrers, der von einem tragischen Unfall spricht und Curdin vom Kommen abrät, macht ihn stutzig, also will er auf eigene Faust herausfinden, was in dem kleinen Dorf Mundaun vorgeht und wie sein Opa wirklich gestorben ist. Schon in den ersten Spielminuten entdeckt Curdin dann die verkohlte Leiche seines Großvaters in einer ausgebrannten Scheune, nachdem ihn eine seltsame Vision heimgesucht hat. Das Grab auf dem Friedhof ist dementsprechend leer, aber der Pfarrer behauptet dennoch, dass der Großvater beerdigt wurde. Klar, dass hier nicht alles mit rechten Dingen zugeht.

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Horror der langsamen Art

Mundaun ist primär das Werk eines einzigen Mannes. Michael Ziegler hat nicht nur das Setting gewählt und die Geschichte geschrieben, er ist auch für die technische Seite des Titels verantwortlich. Was zuerst auffällt, ist die ungewöhnliche Optik. Die komplett farbenfreie Grafik sorgt bereits für eine besondere Atmosphäre, aber wirklich aus der Masse herausstechen kann Mundaun durch seinen Bleistift-Look. Ziegler hat sämtliche Figuren, Umgebungen und Karten im Spiel skizziert, digitalisiert und auf die entsprechenden Texturen „geklebt“. Erstaunlicherweise funktioniert das über das gesamte Spiel hinweg sehr gut und ist ein wesentlicher Bestandteil des besonderen Horrorgefühls – denn Mundaun ist kein verkapptes Projekt eines missverstandenen Künstlers, sondern hat auch vom Gameplay her was auf dem Kasten, wenn man sich darauf einlässt.

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Ihr müsst den Titel nach seinen Regeln spielen und das verlangt vor allem eines: Geduld. Mundaun ist ein gemächliches und bisweilen sogar zähes Spiel. Es gibt ein paar Kampfsituationen, aber diese dienen mehr zur Unterstützung der Story als dass sie eine spielerische Herausforderung darstellen würden. Gleiches gilt für die Schleichpassagen. Schön gruselig sind sie dank des Settings aber dennoch. Einen Großteil der Zeit läuft man durch eine überraschend große Welt, sucht nach Gegenständen und deckt nach und nach die Geheimnisse des kleinen Ortes auf. Die Geschichte ist zwar prinzipiell nichts Neues, wirkt aber durch das unverbrauchte Setting mit vielen Querverweisen auf die Schweizer Folklore erfrischend unverbraucht. Für die Sprachausgabe hat man sich ebenso etwas Besonderes einfallen lassen: Die wenigen, aber durch die Bank interessanten Figuren sprechen Rätoromanisch, die vierte Landessprache der Schweiz. Laut einer (gut zwanzig Jahre alten) Volkszählung wird sie nur noch von ca. 60.000 Menschen gesprochen. Ihr seht also, wie viel Liebe zum Detail in diesem Titel steckt.

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Die Probleme eines Indie-Titels

Kein Rezensent schlägt gerne auf einen kleinen Entwickler ein, gerade wenn offensichtlich so viel Herzblut im Spiel steckt. Trotzdem müssen auch die negativen Aspekte von Mundaun erwähnt werden und die betreffen vor allem die Technik. Der einzigartige Look ist ebenso gelungen wie der spärlich eingesetzte, aber sehr effektive Soundtrack. Die Bleistiftzeichnungen lassen einen sogar über die eine oder andere arg matschige Textur hinwegsehen. Aber leider kommt es bei einfallendem Licht und Graswuchs in der Distanz immer wieder zu heftigem Kantenflimmern. In Kombination mit den starken Rucklern bei schnellen Kamerabewegungen wird so deutlich, dass der Titel technisch durchaus noch Luft nach oben hat. Weil die eigene Spielfigur auch nicht gerade gut zu Fuß ist (sein Rennen wäre in anderen Spielen normales Gehen), kann es anstrengend werden, wenn man nochmal an bekannte Orte zurückkehren muss. Hier soll aber nicht unerwähnt bleiben, dass man im Spielverlauf den Heuwagen des Großvaters freischaltet und so einige Fußwege angenehm abkürzen kann. Auch die Animationen sind bisweilen seltsam steif geraten. Will man beispielsweise die niedliche Ziege zu Beginn streicheln, sieht es im falschen Winkel eher so aus, als würde man ihr eine ordentliche Ohrpfeife verpassen. Zu lange Ladezeiten beim Start müssen 2021 auch nicht mehr sein.

Einzigartiges Spiel mit erwartbaren Macken

Mundaun hat mein Interesse bereits mit den ersten Screenshots geweckt und ich bin sehr froh darüber, dass sich dahinter auch ein gutes Spiel verborgen hat. Über den Status eines Geheimtipps wird es wohl nicht hinauskommen – dafür ist es einfach zu speziell und durch einige technische Kinderkrankheiten eingeschränkt –, andererseits herrscht im AAA-Bereich gerade Flaute und wann, wenn nicht jetzt, können wir alle auch mal den kleinen Titeln eine Chance geben? Mundaun verdient sie auf jeden Fall, denn es hat etwas, wonach viele von uns so oft verlangen: Eine eigene Identität. Wer ein Faible für langsam erzählten Horror hat und mit dem gemächlichen Spieltempo leben kann, sollte zuschlagen und sich mit ausgeschaltetem Handy nachts vor den Bildschirm setzen.

7.4
Grafik:
8
Sound:
7
Steuerung:
6
Atmosphäre:
9
Story:
7
Mundaun

Mundaun

Systeme: PS4, Xbox One, PS5, Xbox Series, PC
Genre: Horror-Adventure
Entwickler / Publisher: Hidden Fields
Erscheinungsdatum: 05. März 2021

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