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Review: Judgment im Test

Der Launch der neuen Konsolen ist bislang vor allem geprägt von Remakes und Remasters von Titeln, die in ihren jeweiligen Fanbases beliebt waren, bei der breiten Masse aber kaum für Aufsehen sorgten. So auch das erst vor zwei Jahren veröffentlichte Spin-off der Yakuza-Serie Judgment. Mit der Next-Gen-Version will SEGA nun nicht nur neue Spieler begeistern, sondern auch alte Hasen mit aufpolierter Grafik und 60 fps locken.

Schatten der Vergangenheit

Unsere Reise beginnt in Japan, in der Anwaltskanzlei Genda im Stadtteil Kamurocho, wo der aufstrebende Anwalt Takayuki Yagami gerade seinen ersten großen Sieg feiert: Er hat in einem Mordprozess den Freispruch erwirkt. Dies ist gerade in Japan eine Sensation, da über 99 Prozent aller Mordprozesse mit einer Verurteilung enden. Jeder will sich nun von unserem Protagonisten Tak vertreten lassen – und dies führt innerhalb der Kanzlei zu Spannungen, da selbst der lang gediente Anwalt Shintani, ein Kollege und Lehrer in der Kanzlei Genda, eifersüchtig auf den jungen Anwalt wird.

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Lange währen die Freude und der Ruhm aber ohnehin nicht, denn der Klient wird kurz nach seinem Freispruch erneut verhaftet, während er nach dem Erstechen seiner Freundin, Emi, alle Beweise in ihrer Wohnung durch Brandstiftung vernichten will. Tak kann dies kaum glauben, da Emi das ein und alles des Klienten war und er ihm dies nie zugetraut hätte. Gepeinigt vom Schatten seines Handelns, beendet Tak freiwillig seine Anwaltskarriere. Drei Jahre vergehen und der Klient von damals sitzt in der Todeszelle. Tak ist nun Privatdetektiv und zusammen mit seinem Partner Kaito, einem Ex-Yakuza-Mitglied, erledigt er die verschiedensten Aufträge. So spielt er auch des Öfteren den Geldeintreiber für die Yakuza, denn wie sich schnell herausstellt, ist unser Tak zwar nicht Mitglied einer der Yakuza-Familien, steht aber unter dem Schutz eines der großen Oberhäupter und genießt einen guten Ruf innerhalb der Klans.

So lebt Tak vor sich hin, immer von einem Tag zum anderen, oder besser von einem Fall zum nächsten, noch immer geschlagen vom Schmerz seines damaligen Fehlers. Doch dies alles ist nur das Vorspiel, denn in Kamurocho, einem fiktiven Rotlichtbezirk und dem Arbeitsgebiet von Tak, zieht ein Sturm auf. Mittlerweile wurden dort bereits drei Mordopfer gefunden, allesamt Yakuza-Führungsmitglieder – und allen drein wurden die Augen ausgestochen. Die Polizei tappt im Dunkeln, bis es sich glücklich fügt, dass das Oberhaupt einer kleineren Yakuza-Familie, fast schon wie auf dem Präsentierteller, als Täter für den letzten Mord in Frage kommt und sofort verhaftet wird. Taks ehemaliger Arbeitgeber, die Genda Anwaltskanzlei, wird mit der Verteidigung beauftragt, und da Tak noch immer gute Beziehungen zu seinem ehemaligen Chef Genda-sensei und seiner Kanzlei unterhält, wird er mit den Ermittlungen in diesem Fall beauftragt – und wir stellen bald fest, dass sowohl der Fall, wie auch Tak selbst, weit komplexer ist, als wir anfangs dachten.

Ein atmosphärischer Genre-Mix

Judgment lässt sich nicht in ein einzelnes Genre einpassen – viel mehr ist es ein mitreißender Mix aus vielen verschiedenen Genres, von Beat’em-Up über Stealth bis hin zur Hinweissuche. Unser Abenteuer beginnt in einer Art interaktivem Film, währenddessen viel Story auf euch hereinrasselt, die jedoch keine Minute langweilig ist. Auf diese Weise sehen wir die Feier zu Ehren Taks in der Kanzlei im Stil einer Detektivgeschichte der späten Siebziger- oder Achtziger-Jahre: leicht düster, untermalt von schicksalsschwangerer Musik und gespickt mit Kommentaren aus dem Off.

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Nach dem Intro starten wir in unseren ersten Fall, den Prolog, der gleichzeitig ein Tutorial ist. Den Beginn machen die Kämpfen, wobei euch ganz klassisch verschiedene Button-Kombos zur Verfügung stehen, aber auch zwei Kampfstile, zwischen denen ihr wechselnd könnt. Einer dieser Stile ist für Kämpfe mit Gruppen gedacht, der andere für Einzelkämpfe. Das heißt aber nicht, dass ihr die Stile nicht auch entgegen ihrer Bestimmung nutzen könnt. Das Spiel macht Kamurocho zur Open-World, das heißt, der Stadtteil ist für euch frei begehbar und es kommt immer wieder mal vor, dass euch Straßengangs aus dem nichts heraus angreifen. Hier könnt ihr euch stellen oder weglaufen. Entscheidet ihr euch für eine Auseinandersetzung, müsst ihr diese aber auch schnell genug beenden, denn sonst kommt die Polizei und verhaftet euch. Für jeden Kampf bekommt ihr Erfahrungspunkte, mit denen ihr neue Kombos freischalten dürft.

Als nächstes Element gibt es die Beschattungen, bei denen ihr dem Verdächtigen folgen müsst, ohne dass dieser von euch Notiz nimmt. Dafür könnt ihr euch in Menschenmengen oder hinter Objekten verstecken, aber auch laufen, damit ihr nicht den Anschluss verliert. Alternativ kommt es zudem vor, dass diese subtilen Verfolgungen in regelrechte, actiongeladene Verfolgungsjagden ausarten. Weit ruhiger sind indessen die spannenden Befragungen. Hier habt ihr vorgefertigte Fragen zur Auswahl und müsst die nützlichen von den nutzlosen trennen. Stellt ihr mehrere Top-Fragen hintereinander, bekommt ihr zusätzliche Erfahrungspunkte. Und dann gibt es noch das Suchen nach Beweisen, bei dem ihr die Umgebung nach Hinweisen zu eurem Fall durchforstet – und auch das macht Freude, nicht zuletzt deshalb, da Kamurocho gespickt ist mit Läden, die ihr besuchen dürft, und Passanten, die Kommentare abgeben, was für reichlich Atmosphäre sorgt.

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Eine verborgene Perle?

Judgment kann man ohne Zweifel als bislang verborgene Gaming-Perle bezeichnen. Die Story ist so fesselnd wie mitreißend, und dank der großartigen schauspielerischen Leistungen, sowohl der Mo-Capper wie auch der Voice-Actors, ein Traum für jeden, der etwas für Krimis und Detektive übrighat. Leider bekam das Spiel ursprünglich kaum die Aufmerksamkeit, die es verdient hätte, wohl auch deswegen, weil die Yakuza-Serie zwar vielen bekannt ist, irgendwann aber die Luft raus war. Umso besser, dass die Remaster-Version von Judgment dem Titel nun eine zweite Chance einräumt. Dank auslaufender Exklusivverträge kommen neben PS5-Spieler nun zudem auch Besitzer der Xbox Series X|S und Google Stadia in den Genuss dieses bislang PS4-exklusiven Spiels.

Abseits der wirklich guten Umsetzung und des spaßigen Gameplays gibt es aber dennoch auch ein paar Schattenseiten. Zunächst wäre da die Update-Politik der Entwickler. Die Remaster-Version enthält zwar alle veröffentlichten DLCs, gleichzeitig gibt es aber kein Gratis-Update für die Besitzer der PS4-Version. Was schade ist, da sich ein Neukauf kaum lohnt. Trotz 60 fps und aufpolierter Grafik wird das Gesamtbild zudem ab und an von Passagen getrübt, die zu „sauber“ und damit fast wie Pappaufsteller wirken. Blendet man aber dies aus, muss man aber schon sehr angestrengt nach tatsächlichen Problemen suchen.

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Japano-Krimi in Höchstform

Judgment ist zu seinem ersten Release bei mir irgendwie nicht auf dem Radar gelandet - umso mehr freut es mich, dass ich durch das Remake nun doch noch einen Blick darauf werfen konnte, denn der Titel ist eine wahre Gaming-Perle für alle, die auf Crime-Stories stehen. Die Geschichte ist genial ausgefeilt und dank der schauspielerischen Leistungen auch ein Traum mitzuerleben. Man will eigentlich den Controller gar nicht weglegen, bis man fertig ist. Die Umgebungen und die Soundkulisse sorgen zudem für massig Atmosphäre in der japanischen Unterwelt. Wer Judgment nicht ohnehin schon gespielt hat, sollte dies mit dem noch hübscheren Remake auf alle Fälle nachholen.

9.3
Grafik:
9
Sound:
9
Steuerung:
9
Story:
10
Judgment

Judgment

Systeme: PS5, Xbox Series X|S, Google Stadia
Getestet auf: PS5
Genre: Action-Adventure
Entwickler / Publisher: Ryu Ga Gotoku Studio / SEGA
Erscheinungsdatum: 23. April 2021

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