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Review: Paper Mario: The Origami King im Test + Gewinnspiel

Paper Mario The Origami King Review von Unaltered Magazine

Paper Mario hat seit seinem ersten Auftritt am N64 eine regelrechte Evolution durchgemacht, die dabei seltsamerweise nicht nur immer in eine Richtung ging: Vom RPG-ähnlichen Abenteuer der 2D-Figur in einer 3D-Welt samt rundenbasierten Konfrontationen über eher action-orientiertes Gameplay in beiden Dimensionen bis hin zur Rückkehr zum klassischeren Hybrid-Look mit Rollenspiel-Elementen. Paper Mario: The Origami King scheint sich vom RPG-Genre nun einmal mehr in beinahe allen Punkten zu verabschieden, schwingt sich dafür in Sachen Spielspaß jedoch nach ein paar kontroverseren Serien-Titeln wieder in neue Höhen auf.

Peach bekommt Falten

Böse, wer jetzt Böses denkt. Natürlich nicht, weil die Prinzessin so langsam in die Jahre kommt, sondern deshalb, weil sie wörtlich gefaltet wurde. Doch wir greifen vorweg. Alles beginnt mit einer harmlosen Einladung von Peach an Mario und Luigi – und zwar zum Origami-Fest in Toad Town. Kaum angekommen, laufen die Dinge aber auch schon aus dem Ruder: Die Stadt scheint verlassen, von festlicher Stimmung keine Spur, und dann werden Mario und sein Bruder auch noch fix im Schloss eingesperrt. Kurz darauf erfahren wir schließlich wieso: König Olly, seines Zeichens selbsternannter Origami-König, setzt alles daran, aus den flachen Papierbewohnern des Pilz-Reichs mehr oder minder kunstvoll gefaltete Untertanen zu machen, und hat dabei sogar Peach verbogen – wörtlich wie auch charakterlich.

Unterstützt wird König Olly dabei von seinen treuen Falt-Soldaten, die ihr im Laufe des Spiels zuhauf plätten werdet – aber auch Mario ist nicht ganz alleine: Ollys Schwester, Olivia, kann mit den Kapriolen ihres Bruders überhaupt nichts anfangen und stellt sich ihm an Marios Seite entgegen. Dank ihrer Fähigkeit, sich in allerlei Dinge umzufalten – beispielsweise kann sie Mario ultra-lange, besonders starke Faltarme verpassen oder sich sogar in die mächtigen Vellemental-Wesen verwandeln, um Erde, Wasser und mehr zu kontrollieren – hilft sie dem Schnurrbartträger so auf speziellen Feldern mit Aktionen, die er alleine nicht ausführen könnte.

Als Olly dann auch noch Peach samt ihrem Schloss entführt und auf einem fernen Berg in Papierschlangen einwickelt, steht Marios Abenteuer fest: Mithilfe von Olivia sämtliche Papierschlangen vernichten, sich den Falt-Soldaten-Horden entgegenstellen und am Weg so viele Einwohner des Pilz-Königreichs sowie das Königreich selbst retten.

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Zerknitterte Träume

Als Mario nach seiner ersten Konfrontation mit dem Origami King und dessen Schergen in die weite Welt gelangt, muss er feststellen, dass auch diese von Olly bereits stark in Mitleidenschaft gezogen wurde: ganze Stücke fehlen in der Papier-Umgebung, Falt-Soldaten stehen Mario und Olivia im Weg, und die vielen Toads des Reiches wurden gefaltet und zerknittert und müssen aus allerlei Bredouillen gerettet werden. Glücklicherweise lässt sich die Papier-Welt jedoch relativ einfach reparieren: Konfetti, das ihr aus Bäumen schütteln oder aus zerhämmerten Blumen gewinnen könnt, darf eingesetzt werden, um die Lücken der Welt wieder aufzufüllen, die Toads findet ihr in Baumkronen, unter Blätterhaufen, in Höhlen oder auch zu Origami-Tieren gefaltet, und wo wir vorhin gerade beim Hammer waren: Natürlich wären da auch noch die Kämpfe gegen die zahlreichen Faltsoldaten.

Die Paper Mario-Serie hat uns in der Vergangenheit schon eine ganze Reihe an Kampfsystemen präsentiert – diesmal geht man wieder zu einem rundenbasierten Konzept zurück, erweitert dieses jedoch um eine eingängliche Puzzlephase. Mario steht somit während der Kämpfe im Zentrum einer ringförmigen Arena. Die einzelnen Ringe sind wiederum in Felder unterteilt, sodass eine Art Dart-Board entsteht. In der ersten Phase gilt es nun, die Gegner, die hier auftauchen, innerhalb einer vorgegebenen Anzahl and Zügen möglichst vorteilhaft anzuordnen – entweder in Reihen oder Viererblöcken. Der Grund: Reihen können mit Marios Stiefelattacke bekämpft werden, Viererblöcke mit Hammerschlägen. Gelingt euch die Anordnung in Reihen und Blöcke mit allen Gegnern innerhalb des Zug- und Zeitlimits, steigt eure Angriffskraft für die folgende Kampfphase. In dieser gilt es dann nur noch die jeweiligen Attacken auszuwählen und im richtigen Moment noch per Knopfdruck für Extra-Schaden zu sorgen. Stehen alle Gegner richtig und perfektioniert ihr euer Timing, könnt ihr jegliche Gegner in einem einzigen Zug ausradieren. Bleiben am Ende von Marios Zug indessen Gegner zurück, sind diese an der Reihe. Auch hier dürft ihr mittels richtig getimetem Knopfdruck blocken, um weniger oder mitunter sogar gar keinen Schaden davonzutragen. Danach geht es zur zweiten Angriffsrunde über, in der wiederum zunächst Mario und dann die Gegner – sofern noch am Leben – attackieren dürfen.

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Im späteren Spielverlauf erhaltet ihr neben euren Standard-Stiefeln und eurem guten alten Hammer auch bessere Waffen, die jedoch nach einer gewissen Anzahl an Einsätzen kaputtgehen und ersetzt werden müssen, sowie Spezialattacken in Item-Form, die nur einmal eingesetzt werden können, etwa die Feuerblume, die eine Reihe an Gegnern mit Feuerbällen bombardiert. Auch Accessoires dürfen im Laufe des Spiels gekauft und angelegt werden. Diese geben euch beispielsweise mehr Zeit, das Puzzle am Beginn der Kämpfe zu lösen, oder erhöhen eure Lebenspunkte. Abschließend kommen noch die geretteten Toads ins Spiel: Am Beginn jedes Matches dürft ihr diese mit Goldmünzen dazu motivieren, euch anzufeuern – je mehr gerettete Toads und je mehr ihr zahlt, desto größer die Vorteile, von gelösten Puzzle-Schritten über geheilte Lebensenergie bis hin zum Belegen von Bosskampf-Feldern mit Münzen und Aktionstasten.

Apropos Bosskämpfe: Diese laufen ein wenig anders als die gewöhnlichen Konfrontationen ab: Hier steht der Gegner in der Mitte des Quasi-Dartboards und Mario muss sich von außen am Ring an ihn heranpirschen, um dann anzugreifen. Hierfür gibt es Pfeilfelder, denen entlang Mario braust, sowie Aktionsfelder wie das Aktivieren bestimmter Sonderattacken oder das letztendliche Angriffsfeld. Wichtig ist hier vor allem, dafür zu sorgen, dass ihr am richtigen Feld landet – denn manche Angriffe bestehen aus mehreren Schritten, während Gegner oft auch nur an bestimmten Stellen verwundet werden können. Und natürlich gilt es manchmal auch, ein paar Tricks anzuwenden, um euch Angriffsvorteile zu verschaffen.

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Schluss mit RPG?

Das Kampfsystem ist wohl auch der kontroverseste Punkt im ganzen Spiel. Der Puzzle-Ansatz ist anfangs ganz spannend, im Verlaufe des Spiels wird das Konzept allerdings schnell ein wenig anstrengend, vor allem deshalb, da sich an den Auseinandersetzungen selbst nach mehreren Stunden nichts ändert. Abgesehen von neuen Stiefeln und Hämmern, die für stärkere Attacken sorgen oder gegen Gegner eingesetzt werden können, bei denen die normalen Versionen versagen – so können stachelige Coopers etwa nur mit den Eisenstiefeln angegriffen werden -, bleibt alles stets beim Gleichen: Widersacher anordnen und dann im richtigen Timing den immergleichen Knopf drücken.

Auch Charakterprogression gibt es im Grunde keine. Zwar findet Mario ab und an Papierherzen, die nicht nur seine Lebenspunkte dauerhaft steigern, sondern auch seine Angriffskraft, das war es aber auch schon. Items gibt es nach wie vor, diese dienen aber ausschließlich für wenige Spezialattacken oder zum Heilen. Die Kämpfe bieten somit leider kaum Abwechslung und scheinen obendrein nicht mal sonderlich sinnvoll – sofern man es nicht unbedingt darauf absieht, riesige Berge an Gold oder Konfetti anzuhäufen, die beide auch zuhauf in der normalen Spielwelt gefunden werden können. Nur die Bosskämpfe sind hier die Ausnahme – diese wirken in all den ewig gleichen Kämpfen erfrischend anders und erfordern zudem auch ein wenig mehr Planung.

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Keine Flachwitze

Kampfsystem hin oder her, der Rest von Paper Mario: The Origami King glänzt wie zu den besten Zeiten der Serie und hält mehr als bei Laune. Das Herumlaufen in der farbenfrohen Papierwelt, das Herumhämmern, um immer neue Toads zu finden und Konfetti zu sammeln, um die Welt nach und nach wiederherzustellen, die gelegentlichen Rätsel – das alles macht jede Menge Spaß und wird glücklicherweise auch nur mäßig oft von den weniger spaßigen Kämpfen unterbrochen.

Auch der Humor kommt in Origami King einmal mehr keinesfalls zu kurz. Das Writing war bisher noch in jedem Paper Mario on point und auch der neueste Ableger muss sich hier absolut nicht verstecken: von humorvollen Anspielungen an andere (Mario-)Games über schräge Charaktere und endlose Wortspiele bis hin zu sogar ein klein wenig spaßig verpackter Gesellschaftskritik ist alles enthalten.

Unterstrichen wird alles zudem von der fantastischen Präsentation: Die Umgebungen könnten schöner nicht umgesetzt sein und reichen von den grünen Wäldern und Hügeln des Pilzkönigreichs über einen japanisch angehauchten Herbstberg bis hin zu orientalischen Wüstengegenden und mehr. Viele niedliche Details werten jeden Ort auf und lassen die Paper Mario-Welt wundervoll lebendig wirken. Mein absolutes Präsentations-Highlight in Origami King ist jedoch der mitreißende Soundtrack. Während die Musik das ganze Spiel hindurch großartig ist, stechen einzelne Tracks sogar noch positiver hervor, beispielsweise das Kampfthema, das ihr gleich von Beginn an zu Ohren bekommt.

Gewinnspiel!

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Viel Licht mit wenig Schatten

Ist Paper Mario das beste Paper Mario seit The Thousand-Year Door? In den Augen dieser Redakteurin eindeutig ja. Das Kampfsystem mag nicht jedermanns Sache sein und wird mit zunehmendem Spielverlauf auch zunehmend uninteressanter – sieht man von den Bosskämpfen, die spannende Highlights darstellen, einmal ab –, dafür läuft der Titel in allen anderen Belangen zur absoluten Höchstform auf: von der wunderbaren Präsentation über die niedlichen Rätsel bis hin zum fabelhaften Humor samt etlichen Anspielungen. Paper Mario: The Origami King mag nicht in allen Belangen perfekt sein, macht aber dennoch riesigen Spaß und hält von der ersten bis zur letzten Minute bei der Stange.

9
Grafik:
10
Sound:
10
Steuerung:
9
Story:
9
Kampfsystem:
7
Paper Mario: The Origami King

Paper Mario: The Origami King

Systeme: Switch
Genre: Action-Adventure mit Jump'n'Run- und RPG-Elementen
Entwickler / Publisher: Nintendo
Erscheinungsdatum: 17. Juli 2020

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