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Review: The Dark Pictures Anthology: Little Hope im Test

The Dark Pictures Anthology Little Hope im Test - Review von Unaltered Magazine

Die Tage werden kühler, die Nächte länger – Zeit, die Horrorspiele auszupacken! Mit Little Hope veröffentlichte Tell-your-own-story-Developer Supermassive Games vor Kurzem endlich den zweiten Teil ihrer The Dark Pictures Anthology, die uns diesmal in den kleinen Ort Little Hope im Nordosten der USA entführt, wo Hexen und andere Monster einst – und noch immer – ihr Unwesen zu treiben scheinen …

Es war einmal …

… eine zusammengestöpselte Familie in den frühen 1970ern in einem kleinen Haus in Little Hope, Massachusetts. Die Eltern, James und Anne, streiten über ihren jüngsten Spross Megan – der Vater angetrunken, die Mutter überfordert. Megan sitzt im Wohnzimmer und sieht fern, trampelt auf ihrem Weg nach draußen versehentlich auf eine Schallplatte und die beiden Söhne – Anthony und Vince, die sich eigentlich gerade über den Freund ihrer Schwester Tanya unterhalten – kriegen sich darüber in die Haare – Anthony nimmt Megan in Schutz, Vince sorgt sich um seine Musiksammlung und hat die Nase voll. Just in dem Moment taucht Tanya, die eigentlich gar nicht mehr zuhause wohnt, ebenfalls auf, sieht Vince noch sauer nach oben tappen, scherzt mit Anthony und versucht im Anschluss, mit Megan zu reden, während Anthony in die Küche geht, um Tee aufzusetzen.

Bis hierhin klingt alles nach einem normalen, wenn auch chaotischen Abend, doch die Sache eskaliert im Nu: Das Feuer am Herd startet ein Feuer, das das ganze Haus zu verschlingen droht, Vince steckt am Dachboden fest, wo er seine Schallplatten in Sicherheit bringen wollte und kann nur über eine äußerst unsicher aussehende Route am Dach entkommen, Megan hat Tanya am Balkon ausgesperrt, wo diese nun festsitzt und überlegt, ob sich den Abstieg riskieren soll, Anne scheint im bereits stark verrauchten Bad eingesperrt und James, der ein Nickerchen vor dem TV genommen hatte, wacht zu spät auf, um sich vor den bereits fallenden Balken zu retten. Anthony muss dabei zusehen, wie ein Mitglied seiner Familie nach dem anderen ums Leben kommt und kann als einziger entkommen – läuft jedoch ebenfalls zurück in die Flammen, in der Hoffnung, doch noch jemanden zu retten – bis der Eingang zusammenkracht und das Inferno auch ihn verschlingt. Zehn Minuten gespielt und schon Zeuge davon geworden, wie eine ganze Familie auf absurdeste Art ums Leben kommt – wenn das mal nicht vielversprechend ist.

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Auf Ab- und Umwegen

Sprung in die Jetztzeit. Ein Busfahrer dreht seine Runden durch die Kleinstädte Massachusetts und wird von der Polizei aufgehalten: Etwas blockiert die Straße vor ihm und eine Umleitung ist der einzige Weg voran – die ihn direkt durch den nun zur Geisterstadt gewordenen Ort Little Hope führt. Widerwillig biegt er ab und fährt weiter. Plötzlich ein Mädchen auf der Straße. Der Bus schleudert, kippt, und die Insassen werden gehörig herumgewirbelt. Kurze Zeit später erwacht ihr – in den Fußstapfen des College-Studenten Andrew. Mit ihm auf Exkursion: John, der Professor, Angela, eine ältere Studentin, sowie das junge Studenten-Pärchen Taylor und Daniel. Das Seltsame: Sie alle sehen der Familie aus 1972 zum Verwechseln ähnlich. Vom Busfahrer fehlt jede Spur, die Handys haben keinen Empfang und so bleibt der Gruppe nichts anderes übrig, als sich zu Fuß in Richtung Little Hope aufzumachen.

Von hier an wird schnell klar, dass in dem kleinen Ort nichts mit rechten Dingen zugeht: Seltsamer Nebel blockiert jeglichen Pfad zurück, geisterhafte Personen zerren die fünf Verunglückten immer wieder in Visionen der Vergangenheit, in denen ihre Doppelgänger Ende des 17. Jahrhunderts in eine Serie von Ereignissen rund um Anschuldigungen um Hexerei, Bündnisse mit dem Teufel und Morden im Namen Gottes verwickelt waren, Monster, wie direkt aus dieser Zeit geboren, attackieren den Exkursions-Trupp in der Gegenwart, und alles scheint sich um einen einzigen Fokuspunkt zu drehen: ein kleines Mädchen namens Mary.

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Nicht in Stein gemeißelt

Von hier an liegt es, in bester Supermassive-Games-Manier, wieder an euch, zu bestimmen, wie sich die Geschichte entwickelt. In Little Hope übernehmt ihr abwechselnd die Kontrolle über alle fünf Mitglieder der Truppe, erkundet Umgebungen und trefft in Dialogen Entscheidungen, die bestimmen, welche Charaktereigenschaften sich in den einzelnen Protagonisten hervortun, wie sich ihre Beziehungen untereinander entwickeln und letztendlich auch, wer von ihnen es zu einem positiven oder weniger positiven Ende der Geschichte schafft.

Mit dabei sind natürlich auch wieder action-reichere Sequenzen per Quick-Time-Events. In diesen zeitkritischen Passagen müsst ihr möglichst schnell oder im richtigen Rhythmus bestimmte Tasten drücken, um beispielsweise erfolgreich vor Monstern zu flüchten, in Verstecken ruhig genug zu bleiben, um nicht entdeckt zu werden, oder rechtzeitig Hiebe auszuteilen, um euch Widersacher vom Leib zu halten. Ein tatsächliches Versagen gibt es dabei nicht – die Story läuft weiter, egal, welche Entscheidungen ihr trefft oder ob ihr QTEs meistert oder vermasselt. Wie viel des Plots ihr aufdeckt und wer am Ende die dämonenreiche Nacht überlebt – das liegt jedoch alleine in euren Händen.

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Eine Stadt voller Geheimnisse

Abseits der vielen Storypfade, die ihr in Little Hope erkunden dürft – und die für reichlich Widerspielwert der rund vier bis fünf Stunden langen Story sorgen – gibt es in dem schaurigen Ort noch eine Menge mehr zu entdecken: Zeitungsausschnitte, Fotos, diverse Gegenstände und mehr können als „Geheimnisse“ gefunden sowie im Menü noch mal genau betrachtet werden und erzählen euch mehr über die Stadt und alles, was sich hier zugetragen hat. Postkarten mit Bildern lösen zudem immer wieder Visionen in euch aus, die euch potenzielle zukünftige Ereignisse zeigen und euch Anhaltspunkte geben, welche Entscheidungen sich positiver auf den Spielverlauf auswirken könnten.

Um wirklich alle Geheimnisse zu finden – und somit nicht nur mehr über Little Hope und seine Bewohner zu erfahren, sondern auch Extras wie Interviews, Artworks und mehr im Hauptmenü des Spiels freizuschalten – werdet ihr mehr als einen Spieldurchgang benötigen; doch immerhin gestaltet sich das Erkunden nun weit komfortabler als noch im direkten Vorgänger Man of Medan: Die Steuerung fühlt sich nun weit weniger sperrig an und auch die Aktionspunkte sind deutlicher gekennzeichnet. Zwar begegnet ihr im Spiel immer noch reichlich (nicht ganz logisch gesetzten) unsichtbaren Wänden, jedoch präsentiert sich die Kamera diesmal weit kooperativer und die Charaktere bleiben auch nicht mehr regelmäßig an Ecken und Kanten hängen oder wollen sich partout nicht in Richtung von Aktionspunkten drehen.

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In Sachen Präsentation setzt Little Hope alles auf Atmosphäre – von den nächtlichen Umgebungen des kleinen Ortes, mit seinen verfallenen Gebäuden und im Wind wehenden Blättern, bis hin zum gelungenen Sounddesign. Die Charaktere werden einmal mehr von echten Schauspielern – beispielsweise Will Poulter in der Rolle von Andrew/Anthony/Abraham – verkörpert und leisten sowohl in Sachen Performance Capture wie auch Voice Acting durchwegs tolle Arbeit. Die Grafik und Animationen an sich spielen zwar nicht in höchster Liga mit, sehen aber dennoch schön aus und zeigen sich diesmal – ebenfalls im Gegensatz zum Vorgänger – ohne erkenntliche Glitches.

Gemeinsam statt einsam

Wie vorhin bereits erwähnt, bietet Little Hope dank seiner verzweigten Story jede Menge Wiederspielwert – und um ein erneutes Durchspielen der Story sogar noch spaßiger zu gestalten, müsst ihr dies nicht alleine tun, sondern könnt das gesamte Game (übrigens auch schon beim ersten Mal) auch mit einem – oder vier – Freunden zocken, und zwar offline auf einem Gerät oder auch online. Hierbei übernimmt jeder von euch mindestens einen Charakter und darf diesen dann in seinen Kapiteln steuern, während ihr alle gemeinsam über Entscheidungen diskutieren und die Augen nach Geheimnissen offenhalten könnt.

Wer das Spiel vorbestellt hat oder sich noch ein wenig bis zum Verfügbarmachen als Download (vermutlich ist es Ende Januar 2021 so weit) gedulden kann, darf das Spiel zudem auch im Curator’s Cut spielen – und so diverse Szenen aus anderer Perspektive erleben, um noch mehr Einblicke in die Story zu erhalten.

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Perfekter Gruselspaß für dunkle Abende

Supermassive Games haben sich in den vergangen Jahren mit ihren Tell-your-own-Story-Games zu einem meiner liebsten Entwickler aufgeschwungen und auch Little Hope hält wieder von der ersten bis zur letzten Minute bei der Stange und präsentiert uns eine Story, bei der am Ende alles klar scheint, aber dennoch genug Mystery und Tiefgang übrigbleiben, um mich noch länger darüber grübeln zu lassen – und die mir zudem mächtig Lust darauf macht, das Spiel mindestens noch einmal durchzuzocken, um auch die alternativen Story-Pfade zu erkunden und weitere Geheimnisse zu entdecken. Mit Freunden macht das Ganze sogar noch mehr Spaß, und es ist äußerst löblich, dass man hier wahlweise online oder auch im Couch-Koop mit nur einer Kopie spielen darf. Auch in Sachen Technik und Präsentation gibt es bis auf kleinere Hacker wie unsichtbare Wände oder plötzliche Szenenwechsel nichts zu meckern. Somit gibt es von mir für Little Hope eine eindeutige Empfehlung für all jene, die schaurige Geschichten mit dichter Narrative lieben und überdies gerne Meister ihres eigenen Schicksals sind.

8.4
Grafik:
8
Sound:
9
Steuerung:
8
Story:
8
Wiederspielwert/Motivation:
9
The Dark Pictures Anthology: Little Hope

The Dark Pictures Anthology: Little Hope

Systeme: PS4, XBox One, PC (Steam)
Getestet auf: PS4 Pro
Genre: Action, Adventure
Entwickler / Publisher: Supermassive Games / Bandai Namco
Erscheinungsdatum: 30. Oktober 2020

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