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Buch-Review: Star Wars: Victory‘s Price (Alphabet Squadron Buch 3)

Wer Star Wars hört, der denkt an actiongeladene Weltraum-Märchen voller finsterer Bösewichte und strahlender Helden – und auch wenn dies spätestens seit Rogue One und The Last Jedi nicht mehr ganz stimmt, können wir uns in den Filmen der Sternensaga bislang zumindest immer darauf verlassen, dass die Grenzen zwischen Gut und Böse klar gezeichnet sind und das Licht am Ende siegt. In den zugehörigen Büchern zum Krieg der Sterne sieht die Sache etwas anders aus. Hier wird nicht allzu selten und mit weit mehr Tiefgang als in den Leinwandabenteuern beleuchtet, wie fließend die Grenzen zwischen beiden Extremen wirklich sind, dass Moral viele Gesichter hat, und dass nicht jeder, der an die Werte des Imperiums – oder jene der Republik – glaubt, automatisch auch böse – oder eben nicht – ist. Aufritt: Victory’s Price, das vor wenigen Wochen die Alphabet Squadron-Trilogie abschloss, zuvor jedoch nochmals all ihre Charaktere vor so manche schwierige Entscheidung stellte.

Zwischen den Fronten

Das Ende von Shadow Fall ließ Hauptcharakter Yrica Quell und ihre Staffel gebrochen zurück: Das Geheimnis um ihren nicht ganz freiwilligen Abgang aus Shadow Wing war gelüftet, ihre ehemaligen Kammeraden gegen sie aufgebracht, und der einzige Mensch, der Alphabet noch zusammenhalten konnte, Adan Caern, fand sein vorzeitiges Ende auf einem desolaten Asteroiden, weit weg von allen, denen er Erklärungen geschuldet hätte. Als wir Yrica in Shadow Fall das letzte Mal sahen, war sie auf dem Weg zurück zu Shadow Wing – zurück in die Arme ihres ehemaligen Mentors Soran Keize –, während die Überreste von Alphabet mit den Verlusten ihres Kampfs im Cerberon-System klarkommen mussten, nicht zuletzt von Yrica selbst.

Victory’s Price setzt genau dort an. Wenige Wochen nach ihrer Rückkehr ist Quell erneut im Dienst von Shadow Wing und plant nun Angriffe auf jene, die sie bis vor Kurzem Freunde und Kameraden nannte. Immer noch nennt – denn während nach außen hin alles den Anschein machen soll, dass Yrica nach einem wenig erfreulichen Trip in die vergebungslosen Arme der Republik ihren Weg zurück zu ihren wahren Verbündeten gefunden hat, agiert sie in Wirklichkeit, und ohne Wissen dieser, als geheimer Spion der Neuen Republik.

Doch ganz so einfach sind die Dinge nicht – denn der wiederhergestellte Kontakt mit ihren imperialen Ex-Kollegen, allen voran Keize, ruft Erinnerungen an ihre eigene Vergangenheit wach und konfrontiert Yrica mit der Frage, was sie von ihren Nun-wieder-Kameraden tatsächlich unterscheidet – und ob sich nach allem, was sie getan hat, überhaupt noch das Recht hat, diese zu verurteilen.

Moralisches Dilemma

Einige Kernthemen, die sich durch alle drei Alphabet Squadron-Bücher ziehen, sind die Fragen danach, bis zu welchem Punkt der Zweck die Mittel heiligt, welchen Stellenwert Loyalität einnehmen darf, und ob vergangene Fehler durch folgende Taten tatsächlich ausgeglichen werden können. Victory’s Price versucht, die jeweiligen Antworten zu finden, macht dabei allerdings klar, dass dies lediglich aus der Perspektive einzelner Charaktere geschehen kann und dass so etwas wie eine allgemeine Wahrheit diesbezüglich schlicht nicht existiert.

Wie seine Vorgänger wirft das Buch fantastische Blicke in die Gefühlswelt seiner Charaktere und zeichnet Figuren, die sowohl komplex wie auch glaubhaft sind – und das alles vor einer übergeordneten Story, die bis zur letzten Seite auf Trab hält. Die Längen, die einige Passagen von Shadow Fall ein wenig mühsam zu lesen machten, werden in Victory’s Price zu kurzweiligen Szenen, die die richtige Balance zwischen Action und Introspektive finden. Was der Geschichte dabei definitiv guttut, ist der oftmalige Schauplatzwechsel, der in Teil zwei ein wenig fehlte – und auch der Fokus auf das Vorantreiben und den eventuellen Abschluss der einzelnen Charakter-Bögen bringt frischen Wind ins Geschehen. War Kairos beispielsweise bislang ein wörtlich stillschweigendes Mysterium, über das wir in zwei vollen Büchern kaum Neues erfuhren, kommt nun letztendlich mehr Licht in die Sache. Wyl darf sich als neu eingesetzter Anführer von Alphabet Squadron neuen Herausforderungen und alten Sehnsüchten stellen, während Chass ihre seit jeher chaotische Gefühlswelt auf neuen Wegen in von ihr unbeschrittene Bahnen lenkt. Der wohl interessanteste Charakter (noch-)Alphabets ist aber nach wie vor der Harte-Schale-weicher-Kern-Haudrauf Nath, der in Victory’s Price ebenfalls wieder glänzen darf und dabei einmal mehr beweist, dass Graucharaktere Geschichten erst die richtige Würze verleihen.

Quell selbst, mitsamt ihrem moralischen Konflikt, wird schön gezeichnet und wirft Fragen und Blickwiesen auf, die beim Lesen vor allem deshalb so faszinieren, weil sie die Realität mehr denn je widerspiegeln: Unterschiedliche Perspektiven, Prioritäten und gewählte Mittel, die konträrer nicht sein könnten, aber dennoch allesamt weder aus bösen Absichten noch noblen Intentionen heraus entstehend, sondern das bloße Resultat der eigenen (oft konditionierten) Werte, Erfahrungen und Umstände sind.

Der Fuß des Eisbergs

Was die meisten Leute als Star Wars kennen, ist bloß die Spitze des sprichwörtlichen Eisbergs, während sich einige der besten, tiefgründigsten und introspektivsten Geschichten stattdessen in Büchern verstecken. Alphabet Squadron samt seinem dritten und somit letzten Teil Victory’s Price reiht sich hier in eine lange Folge eindrucksvoller Werke ein. Von Quell über ihre Staffelkameraden von Alphabet bis hin zu ihren beiden Mentoren Soran Keize und Hera Syndulla ist jeder Charakter der Serie wundervoll ausgearbeitet und beleuchtet jene Seiten des Konflikts zwischen Republik und Imperium, die in den Filmen und Serien oft zu kurz kommen: den menschlich-moralischen Aspekt, weit jenseits der spektakulären Weltraumschlachten, fantastischen Lichtschwertkämpfe und epischen Siege von Gut über Böse. Victory’s Price zeigt, dass es kaum besser ist, die richtigen Dinge aus den falschen Gründen zu tun als die falschen Dinge aus den richtigen Gründen, dass Moral und Anstand, mehr als alles andere, von der eigenen Perspektive abhängen, und dass Verlierer manchmal weniger verloren sind als Sieger. Victory’s Price war ein äußerst gelungener Abschluss für eine großartige Trilogie, die sich kein Fan von Star Wars, der tiefer in die Welt und ihre Geschichten eintauchen möchte, entgehen lassen sollte.

9
Buchbewertung:
9
Star Wars: Victory's Price (Alphabet Squadron Buch 3)

Star Wars: Victory's Price (Alphabet Squadron Buch 3)

Autor: Alexander Freed
Herausgeber: Del Rey / Disney Publishing
Genre: Sci-Fantasy
Seiten:
460 Seiten
Alter: ab 16 Jahren
Erscheinungsdatum: 2. März 2021 (Englisch)

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